Sonntag, 9. Juli 2017

Endlich wieder am Bodensee! Über historische Fähren und den Bismarckturm in Konstanz

Hallo liebe Einstig-Blogleser!

Am Wochenende war es nach langer Zeit mal wieder soweit! Wir fuhren an den Bodensee.
Im Vorfeld haben wir uns lange Gedanken darüber gemacht, ob wir wirklich fahren sollten. Es spielte nämlich nicht nur das Wetter eine Rolle, sondern auch Baustellen. Denn genau bei Überlingen ist zurzeit ein Teilstück gesperrt, und die örtliche Umleitung ist oft überlastet. So galt es abzuwägen, ob es sich wirklich lohnt für nur einen Tag an den See zu fahren, und die drei Stunden Fahrt (pro Strecke) auf sich zu nehmen, wenn man evtl. noch Stauzeiten mit einplanen muss.

Doch unsere Sehnsucht nach Meersburg und dem Bodensee war größer. Wir haben es gewagt. Zumal das Wetter auch noch ganz gut sein sollte. Ich nehme es schon vorweg, wir hatten großes Glück, wir kamen in keinen Stau.
Und so ging es am Samstag früh um 7.00 Uhr los.

Die Fahrt verging schnell und wir hielten fleißig nach unseren markanten Punkten an der Wegstrecke Ausschau.

Das  Vogelnest bei  Ehningen ist von der A 81 immer gut zu sehen. Das „Sculptoura“ ist am Radwanderweg des Landkreises Böblingen vom Künstler Mathias Schweikle errichtet worden. Das Nest ist 12 Meter hoch, und zu Ostern lagen dort drei blaue 1,60 hohe Eier drin.
Mehr zum Nest findet Ihr hier: > Link <

Vogelnest von der Gegenfahrbahn fotografiert.
Deswegen etwas weit weg ;-) 

Außerdem ist der Aufzugstestturm bei Rottweil auch immer einen Blick wert. Erbaut wurde er im Auftrag von ThyssenKrupp Elevator AG - eben um zu testen, wie man am effizientesten Menschen von A nach B bringt.  Aktuell ist der Turm 244 Meter hoch. Anfang Oktober 2017 soll der Turm für Besucher geöffnet werden.  Auf dieser Homepage kann man den Wachstum des Bauwerkes mitverfolgen > Link <

 

Weiter entlang der A 81 gibt es auch schöne "Romeo & Julia"-Dörfer zu sehen. Wir haben die Dörfer so benannt, da sie sehr urig aussehen und durch weite Landstrecken voneinander getrennt sind - und doch haben sie etwas Verbindendes. > Link <


Und dann kommt natürlich unsere geliebte Autobahnraststätte Hegau.  Ein Stop ist dort ein Muss für uns! Nicht nur um zu tanken, sondern auch, um bei einem gemütlichen zweiten Frühstück die Aussicht auf die Vulkan- und Burgenlandschaft zu genießen. Vor mehr als 9 Millionen Jahren formten die Vulkane dieses Gebiet (davon habe ich Euch schon einmal berichtet:  "Besichtigung der Burgruine Hohentwiel bei Singen inkl. Weiterfahrt nach Bodman-Ludwigshafen und Überlingen"
Die Aussicht ist bei gutem Wetter wunderbar. Ein Homepage zur Raststätte gibt es hier > Link <

     
 

Als wir in Meersburg eintrafen, parkte Sylvie das Auto auf dem Parkplatz "Töbele" oberhalb von Meersburg. Dieser Parkplatz ist sehr kostengünstig (3,- für den ganzen Tag) und mit seiner Nähe zur historischen Stadt echt zu empfehlen. Außerdem ist er sehr groß und durch Bäume beschattet. So findet man dort immer einen geeigneten Parkplatz. Schon beim Aussteigen hat man einen grandiosen Blick über den See.

 

Wir marschierten los, den kurzen Weg nach Meersburg hinein. Dort durchquerten wir die Altstadt um uns dann Richtung Fähre zu wenden.
Über Meersburg an sich schreibe ich heute nichts, denn bei unseren vergangenen Besuchen haben wir Euch die Burg und die historische Stadt schon ausführlich beschrieben. Nachzulesen ist dies alles hier auf dem Blog unter "Vergangenes".  Außerdem soll es heute um eine  andere historische Attraktion gehen.

 

Am Fährhafen von Meersburg angelangt brauchten wir nicht lange zu warten. Denn im 12-Minuten-Takt legen dort die Fähren Richtung Konstanz-Staad ab. Die Überfahrt an sich dauert ca. 15 Minuten und ist mit 3,00 Euro pro Fahrt und Person kostengünstiger und schneller als die Weiße Flotte, welche ebenfalls bei Meersburg den Bodensee überquert.

 

Blicken wir nun das erste Mal zurück in die Vergangenheit. Ich gebe Euch nämlich kurz einige Infos zur Geschichte der Fähre zwischen Meersburg und Konstanz-Staad .

Seit fast 90 Jahren  gibt es diese Fährverbindung. Im Jahre 1928 fuhr die erste Autofähre über den Bodensee ,um die zwei Städte auf einem kurzen Weg zu verbinden. Ausschlaggebend hierfür war der 1. Weltkrieg, denn im Sommer 1914 wurde die Grenze zur Schweiz geschlossen, und so war die Stadt Konstanz von ihrem ursprünglichen Hinterland abgeschnitten. Auch nach dem Ende des Krieges änderte sich die Situation nicht wirklich. Außerdem war die Region strukturschwach, und so war ein wirtschaftlicher Austausch über den Bodensee von Vorteil. Aber die schlecht ausgebauten Straßen und Bahnlinien ließen schon damals den Schluss zu, dass dies nicht auf Dauer funktionieren konnte.
Im Dezember 1924 wurde dann vom Stadtrat eine Ausarbeitung eines Planes genehmigt.  Wie heute auch noch so oft, explodierten aber die Kosten zu diesem Projekt und wuchsen von 250.000 Reichsmark auf 608.000 Reichsmark. Ebenfalls gab es Unstimmigkeiten über die Anlegestellen sowie den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit einer Fähre.
Endlich, 1927, wurde ein Vertrag mit der Bodan-Werft Kressbronn geschlossen, um die erste Fähre zu bauen.
Bis heute werden die Fähre und der Fährhafen immer wieder dem neuen Verkehrsaufkommen angepasst.  Fasste die erste Fähre "Konstanz" gerade einmal 15 Autos, so kann die "Lodi" heute 62 PKWs aufnehmen und verfügt über eine Fußbodenheizung, welche im Winter Glätte verhindern soll.


Damals wie heute umgehen die  Benutzer durch die 4,8 Kilometer lange Fährstrecke den 53 Kilometer langen Landweg um den Überlinger See.
Zur Zeit sind sechs Autofähren in Betrieb, welche neben Berufspendlern und Touristen auch Busse, Lkws und den Fernverkehr in die nahe gelegene Schweiz bringen. Die älteste Fähre, die noch im Betrieb ist, ist die "Fontainebleau", erbaut im Jahr 1970. Neustes Fährschiff ist die "Lodi", die aus dem Jahr 2010 stammt.

 
Die "Lodi" ist auf diesem Plakat noch gar nicht drauf,
da sie erst 2010 in Betrieb ging

Wir hatten sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg die Ehre, mit dem neusten Schiff der Flotte zu fahren. Und so setzten wir mit der "Lodi" zum anderen Ufer über.


 

Aber auch die anderen Fährschiffe sahen wir. Denn gestern waren gleich fünf Fähren auf einmal im Einsatz. Oft kreuzten sich die Wege der Fähren auf dem  See, oder man begegnete sich im Fährhafen.

 
  

Die Fähren fahren rund um die Uhr und bei jedem Wetter. Bis Windstärke 12 können sie auslaufen. Nur die Seegfrörne (das Zufrieren des kompletten Bodensees im Winter 1962/1963) verhinderte bisher ein Auslaufen.
Es gibt eine kleine Statistik, welche die Stadtwerke Konstanz herausgebracht hat. Die Schiffe überqueren jährlich rund 61.000 Mal den Bodensee und befördern dabei: 4,3 Millionen Personen,
1,4 Millionen Personenkraftwagen, 509.000 Zweiräder, 89.000 Nutzfahrzeuge.
Diese Infos und viele weitere zur Fährverbindung findet Ihr bei Wikipedia > Link <

  

In Staad angekommen machten wir uns auf den Fußweg zum Bismarckturm.
174 Bismarcktürme und Säulen stehen in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Polen, Russland, Österreich, Kamerun, Tansania und Chile.
Die Bauten erinnern an Otto von Bismarck (1815 - 1898), den Gründer des Deutschen Reiches. An Gedenktagen wie z. B. Bismarcks Geburtstag, sollten auf den Türmen Feuer brennen.
Wer sich mehr in das Thema Bismarcktürme vertiefen möchte, findet auf folgender Webseite eine Reihe von interessanten Informationen.   > Link <


Hier soll es nun vorrangig um den Bismarckturm bei Konstanz gehen, schließlich wollten wir diesen sehen. Im Vorfeld war uns schon bewusst, dass der Turm nicht an allen Tagen geöffnet ist und wir evtl. Pech haben könnten und vor verschlossener Tür stehen würden. Trotzdem gingen wir dieses Risiko gerne ein, da schon alleine die Aussicht schön sein sollte.

Den Weg, um zu diesem (doch zugegebenermaßen gut versteckten) Turm zu kommen, hat Sylvie mit Koomot aufgezeichnet: https://www.komoot.de/tour/19225457. Dort könnt Ihr nicht nur die Strecke, Höhenmeter und Zeit sehen, sondern auch noch weitere Fotos. Ich gebe es gerne zu, ohne Komoot mit Wegstreckenanzeige, zusätzlichem Google-Maps-Plan und Sylvies Wanderführerqualitäten hätte ich den Turm wohl nie gefunden.
Der Weg führte uns durch Staad hindurch, weiter über Wiesen und Felderund  an einem kleinen Bach vorbei.

 
 

Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel, und so kam dieser Bach uns sehr gerufen. Eine kleine Abkühlung tat gut, da die meiste Wegstrecke ohne Schatten zurück gelegt werden musste.

Der Bismarckturm hat eine Höhe von 22 Metern und ist somit der höchste Bismarckturm in Baden-Württemberg. Er ist auf dem Raiteberg auf 452 m ü NHN erbaut.
Errichtet wurde er in den Jahren 1911/1912 aus Beton und einer Feuerschale auf dem Dach. Diese war noch bis 1944/1945 in Betrieb war und wurde immer am 1. April zu Bismarcks Geburtstag entzündet.. Schon vor der Einweihung besuchte Ferdinand Graf von Zeppelin das Bauwerk.
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Turm von verschiedenen Vereinen gemietet. 1980 bis 1997 die Funkgemeinschaft Konstanz,  von 1997 bis 2007 war der Ortsverband Bodensee des Deutschen Amateur-Radio-Club e. V.  dort Mieter. Der aktuelle Mieter, der Konstanzer IT-Unternehmer Gerhard Bernot, plant im Turm ein "Zeitreise"-Museum über die Entwicklung von Technik und Gesellschaft einzurichten.
(Infos von: https://de.wikipedia.org/wiki/Bismarckturm_(Konstanz))


Vier Säulen stehen am Eingangsportal. Eine Inschrift  mit dem Wort "Bismarck"  ist dort zu lesen.
Früher waren auf den beiden Podestsockeln am Eingang ebenfalls Flammenschalen aufgestellt, diese existieren inzwischen nicht mehr.

 

Wir wurden auf den Turm aufmerksam, weil er unter den "10 schönsten Aussichten auf den Bodensee" aufgeführt wurde. Leider muss ich gestehen, dass dies wohl doch übertrieben war. Man hat einen wunderschönen Blick auf Konstanz und auf ein Stückchen See. Aber diesen Aussichtspunkt unter den "Top 10" zu nennen, finde ich persönlich doch etwas hoch gegriffen.  Nun ja, vielleicht lag es auch einfach daran, dass der Turm eben wirklich verschlossen war und wir die "Aussicht" nur von der Plattform vor dem Turm aus genießen konnten.

  

Nachdem wir unseren Blick genug hatten schweifen lassen, machten wir uns auf zurück zur Fähre und somit zurück nach Meersburg.
Dort angekommen aßen wir zu Mittag, bummelten durch die Altstadt und erledigten noch ein paar Einkäufe. Ein dumpfes Donnergrollen ließ uns zum Himmel aufblicken und wir sahen dunkle Gewitterwolken hinter der Meersburg. Als Karlsruher denkt man noch: "Ach, das zieht vielleicht weiter. Kennt man ja. Ein, zwei Donner und das war es!"
Doch die besorgten Gesichter der Meersburger Anwohner ließen bei uns Zweifel kommen. Spätestens als die Geschäftsleute der mittelalterlichen Kleinstadt begannen, die Sonnenschirme zusätzlich zu beschweren und ihre Ware zu sichern, wurde auch uns klar: Da kommt was auf uns zu! Also rafften wir unsere Einkäufe zusammen und machten uns auf den Weg zurück zum Parkplatz Töbele. Wir packten alles ein, verabschiedeten uns vom See und fuhren los. Schon nach wenigen Kilometern (wir waren gerade bei Überlingen) legte das Unwetter los. Der Starkregen machte nur noch ein langsames Vorankommen möglich. Die Straßen verwandelten sich in kleine Flüsse und das Trommeln der Regentropfen auf dem Autodach erreichte eine Lautstärke, bei der wir uns nur mühsam unterhalten konnten.

 

Dennoch hatten wir riesiges Glück, wir kamen ohne Zwischenfall durch das Unwetter durch. Während der Fahrt besserte sich das Wetter wieder und wir erlebten einen wahren Temperaturzonen-Wechsel. Losgefahren bei 30 Grad in Meersburg, war es auf einmal nur noch 22 Grad warm und es ging weiter bergab mit den Temperaturen. Bei 19 Grad war dann der Wendepunkt erreicht. Je weiter wir Richtung Karlsruhe kamen, umso höher stieg das Thermometer wieder. Bei 32 Grad kamen wir dann  in Karlsruhe an.

 

Wie viel Glück wir mit dem Wetter hatten, erfuhren wir während der Fahrt durch den Verkehrsfunk: In Meersburg/Hagnau/Friedrichshafen musste das Unwetter richtig zugeschlagen haben. Bäume lagen über den Straßen und verhinderten so jedes Durchkommen. Wir kamen unbeschadet und ohne Stau in Karlsruhe an.

Es war wieder ein wunderschöner Tag am See. Und unser nächstes Ziel am Bodensee haben wir auch schon ins Auge gefasst. Fehlt nur noch ein Termin!

Bis dahin verkürzen wir uns die Wartezeit und schauen uns immer wieder Sylvies Videoclip von dem Tag an. Schaut doch auch mal rein, so könnt Ihr das eben Gelesene auch in bewegten Bildern sehen. Die sind oft aussagekräftiger als nur Worte. Die Qualität des Clips könnt Ihr am Zahnrädchen erhöhen.



Ich freue mich, Euch beim nächsten Mal wieder hier begrüßen zu dürfen und wünsche Euch noch viele schöne Sommer-Sonnentage.



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