Sonntag, 18. Juni 2017

Wanderung zu einem jüdischen Friedhof und zur Burgruine Drachenfels bei Busenberg

Hallo liebe Einstig-Freunde,
nachdem diese Wanderung wegen des Wetters schon einmal verschoben wurde, hofften wir an diesem Wochenende inständig auf einen regenfreien Tag. Und unser Wunsch wurde erhört.

Sylvie und ich hatten diese Wanderung schon einmal mit unseren Eltern gemacht und waren von der Natur, dem Friedhof und der Burgruine damals sehr angetan. Deshalb freuten wir uns sehr, als wir am Samstag diese Wanderung mit Einstig wiederholen konnten.

Sylvies Videoclip verdeutlicht die Schönheit der Natur wieder sehr gut.
(Qualität am Zahnrädchen erhöhen oder direkt bei Youtube anschauen, indem Du auf den weißen Titel des Videoclips klickst.)


Der Wanderweg sollte uns von Busenberg aus über den "Hexenplatz" zum jüdischen Friedhof und weiter zur Burgruine Drachenfels führen.



Los ging es, wie bei uns üblich, schon am Morgen. Bei bewölktem Wetter machten wir uns auf die Fahrt von Karlsruhe aus in die Pfalz. Durch etliche Weindörfer lenkte Sylvie das Auto, und manche Kurven erinnerten uns an eine Serpentinenstraße auf Mallorca.
Als wir an einem Schild mit der Aufschrift "Häädstorzenfest" vorbeikamen, fühlten wir uns echt in ein fremdes Land (mit fremder Sprache) versetzt. Selbst ich als waschechte "Pälzermäd" wusste mit dem Wort nichts anzufangen. "Storzen" war mir schon ein Begriff, aber "Hääd"? Wie sich später herausstellte, war damit zum einen der Spitzname der Gemeinde Birkenhördter gemeint, und zum anderen - wenn man das Wort ins Hochdeutsche übersetzt - "Heidekrautstumpf". Wieder etwas gelernt!
Nach knapp einer Stunde kamen wir am Ziel an.


Wir stellten fest, dass wir alle gut ausgerüstet waren für die ca. 7 km lange Strecke - jeder auf seine Weise.


Wie sich hinterher herausstellte, war die Sandalenträgerin dann auch die Heldin des Tages! Doch dazu mehr (die Spannung soll noch etwas erhalten bleiben).

Vom Parkplatz aus starteten wir zum ersten Ziel der Tour: dem Hexenplatz.

Der Weg führte erst ein Stückchen durchs Dorf Busenberg und an einer Wanderkarte vorbei. Um sicher zu gehen studierten wir alle diese Karte noch einmal - wie sich später herausstellte war dies vergebene Liebesmühe ...

  

Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, warum der Hexenplatz so heißt und ob es eine Sage oder Legende dazu gibt. Der Stein wurde 2003 vom Obst- & Gartenbauverein Busenberg  als Markierung für Wanderer gesetzt.


Nun ging es fröhlich weiter zum jüdischen Friedhof. Eine wunderschöne Landschaft erschloss sich vor uns. Sommerlich blühende Wiesen, Täler und der Pfälzer Wald erstreckten sich rund herum. Nicht nur wir, auch die Hunde genossen die Natur und Landschaft.

  

Wir lachten sehr viel unterwegs und vergaßen darüber, den richtigen Weg im Auge zu behalten - es lief sich einfach zu gut. Bis Sylvie auf einmal: "Ähm ... halt! Macht mal Stop!" rief. Tja, da hatten wir doch glatt eine Abzweigung verpasst. Wir wären einfach weitergelaufen und wären wahrscheinlich wieder in Busenberg herausgekommen. Das wäre dann eine kurze Wanderung gewesen. Gut, dass wir unsere Wanderführerin Sylvie hatten. Nach kurzer Überprüfung der Karten stimmten wir Sylvie zu: "Wir müssen zurück!". Alle nickten einstimmig - bis auf Easy. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, diesen Weg weiter zu gehen! Sie bockte und war nicht zu bewegen, den Weg wieder zurückzugehen.
Laudine hatte ein Einsehen mit dem armenverwirrten Hündchen und nahm sie kurzerhand unter ihre Arme.
Also ging es den Weg wieder etwas zurück, Easy hatte sich umstimmen lassen (Leckerlies sei Dank), und die Stimmung war nach wie vor Bestens. Und sie sollte noch besser werden!
Denn Meggie und Easy waren so damit beschäftigt über die Wiesen zu rennen, dass sie nicht merkten, dass am Rande das Dickicht dorniger wurde, der Weg abfiel und  Brennnesseln den Weg zurück zum Wanderweg versperrten. Doch zum Glück hatten wir unseren "Sandalen-Engel" dabei. Uli stürzte sich mutig den Hang hinauf um die Hunde zu retten, keine Brommbeerdornen und keine stechenden Pflanzen konnten sie aufhalten.

Bei Meggie gelang dies auch noch sehr elegant und einfach. Ein beherzter Griff und Meggie war unten. Nun kam Easy an die Reihe. Doch da sie um einiges kleiner ist als Meggie, war sie nicht so einfach zu greifen. Zumal Easy auch keine Anstalten machte, einen Meter auf Uli zuzugehen. Also ging Uli eben zu Easy.

  

Beherzt griff Uli zu und hatte Easy im Arm. Doch leider war der Weg nach oben einfacher als der Weg nach unten. Zumal Uli nun keine Hände mehr frei hatte. Es half nichts, ein anderer Weg nach unten musste gefunden werden. Also einfach oben auf der Wiese noch weiter entlang laufen, bis es weniger Dornen und Brennnesseln gab. Einfach "hier um die Ecke rum, Uli" war noch der Satz, der fiel ... tja ... und dann fiel etwas ganz anderes. Unser "Sandalen-Engel" flog der Länge nach mit einem engelsgleichen "Uiiiiiii" ins Gras. Und weg waren Uli und Hund. Im hohen Gras nicht mehr zu sehen! Ein gemeines Erdloch brachte unser Heldin des Tages zu Fall.
Zum Glück verletzten sich weder "Sandalen -Engel Uli" noch Easy bei dem Sturz. Und die Stimmung war danach unglaublich gut! Selbst Uli musste über ihren Freiflug lachen und schaffte es den restlichen Abhang hinunter - ohne Flügel.



Easy war gerettet! Glücklich schloss Sylvie unseren Hund wieder in die Arme. Und Uli bekam den Titel der Ehrenheldin verliehen!

Nun konnte uns nichts mehr davon abhalten, dem richtigen Weg zu folgen, um endlich zum Friedhof zu gelangen. Das kurze Stück Weg war gut zu gehen und durch viele unterhaltsame Gespräche auch schnell gelaufen.

Der jüdische Friedhof liegt unweit der Bundesstraße, und doch versteckt er sich gut hinter einigen Hecken.

 

Am Eingang ist eine Tafel angebracht, welche darauf verweist, dass der Friedhof seit 1833 besteht. Er war über 150 Jahre zentrale Begräbnisstätte der vier jüdischen Gemeinden in den Wasgaudörfern Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal. Es stehen 286 Gräber auf dem Feld verteilt, das seit 1985 ein geschütztes Kulturdenkmal ist.


Beim Anblick der alten Gräber trat auch sofort ein ehrfürchtiges Gefühl bei uns ein.

 
 
   

Manche Inschriften auf den Grabsteinen waren schon ziemlich verwittert und ließen sich nur schwer lesen.

  

Die historischen Grabsteine faszinierten uns, und wir blieben vor fast allen stehen und bestauten sie.
Manche Inschriften konnten wir noch entziffern und so die Lebensgeschichte der Menschen erfahren.

 

Einige Steine waren kunstvoll geschmückt und mit Ornamenten versehen.

   

 

Nach der Machtübernahme der Nazionalsozialisten wurde 1938 der Friedhof geschändet und etliche Gräber umgeworfen. Mindestens ein Drittel der Grabsteine wurden dabei zerstört.
Es ist kaum zu glauben, doch selbst nach dem Kriegsende wurde der Friedhof auch weiterhin geschändet. Das letzte Mal vor gar nicht zu langer Zeit: 1978, 1994 und 1997

   

1955 wurde der westliche, neuere Teil des Friedhofs instand gesetzt; der östliche, ältere Teil blieb verwildert. Nach der letzten Bestattung in der Zeit des Nationalsozialismus 1939 fanden zwischen 1958 und 1979 drei weitere Beerdigungen statt. Im April 2016 wurde die letzte Beisetzung auf dem Friedhof vorgenommen. Karl-Heinz Levy wohnte zuletzt in Florida, USA, und es war sein ausdrücklicher Wunsch in Busenberg neben seiner Großmutter bestattet zu werden.


Nachdem wir lange auf dem Friedhof verweilt hatten, gingen wir bewegt und nachdenklich weiter unseres Weges, immer in Richtung Burgruine Drachenfels.
Kurz vor der Ruine gibt es eine kleine PWV-Hütte. Da wir noch keinen Hunger verspürten, nutzten wir das Essensangebot dort nicht. Wollten wir doch lieber Picknick auf der Burgruine machen. Aber ein anderes Angebot nutzten wir gerne. Nicht umsonst hatten wir schon herausgefunden, dass PWV nicht wie oft gedacht für "Pfälzer Wald Verein" steht, sondern vielmehr für uns bedeutet: "Pipi, Wandern, Vespern".

Nun waren es nur noch ein paar Meter bis zum eigentlichen Ziel:


  

Um diese Burg ranken sich viele Sagen und Legenden.

Eine handelt davon, dass ein Wanderer in der Dämmerung einem Waldmann begegnet ist. Im Dorf erzählte der erschrockene Wanderer von seinem Erlebnis und erfuhr, was es mit dem Waldmann auf sich hatte. Der Graf der Burg hatte eine wunderschöne Tochter welche von einem höfischen Schreiber umbuhlt wurde. Der Graf bekam davon Wind und verbannte den unglücklich Verliebten aus dem Land.  Doch so leicht lies er sich nicht vertreiben und buhlte weiter um Adelheid. Er stellte unter einem Kastanienbaum ein Hochzeitsbett auf, in dem sie gemeinsam dem Tod entgegen gehen sollten. Denn ein getrenntes Leben konnten sie sich nicht vorstellen. Adelheid fand schließlich durch einen Dolchstoß den tot.  Als der verliebte Mörder seine sterbende Angebetete im Arm hielt, verließ in der Mut, sich ebenfalls zu töten.  Feige flüchtete er in den Wald.
Der Graf starb nur wenige Tage nach seiner Tochter. Der  ehemalige höfische Schreiber und Geliebte der Grafentochter, treibt aber noch heute sein Unwesen in den Wäldern. Immer wenn der Sturmwind braust, soll er sich an diesem Kastanienbaum noch zeigen.
(Nach Alexander Schöppner, Sagenbuch der bayrischen Lande, 1852)

An der Burgruine gibt es eine Hinweistafel mit den geschichtlichen Hintergründen.
Demnach wurde die Burg um das Jahr 1200 als Grenzburg der Abteil Klingenmünster erbaut und war bis 1344 im Besitz der Ritter zu Drachenfels.
1523 wurde die Burg während der "Sickinger Fehde" (Erbstreitigkeiten, Burgbesetzungen) endgültig zerstört.


Die Burg setzt sich aus zwei Felsen zusammen.
Der östliche Burgfels beherbergt die ältere Unterburg, während auf dem westliche Burgfels die neuere Unterburg steht.

  
 
  
 

Auch viele Kammern, Fenster, Treppen und Mauern sind erhalten geblieben.

       

Von der Burg aus hat man einen wunderbaren Blick über den Pfälzer Wald

 
 

 

Sogar den jüdischen Friedhof konnten wir in der Ferne ausmachen.


Da wir uns bis ganz nach oben trauten und selbst die steilen Metallstufen erklommen, konnten wir auch die Zisterne betrachten. Sie diente dazu, Regenwasser aufzufangen, welches bei einer Belagerung der Burg dann als Wasserreservoir diente. Eine Legende dazu besagt, dass dieses Wasser die Burg auch beschützen sollte, falls ein Drache sie niederbrennen wollte.
Trotz Nachforschung konnte ich leider nicht herausfinden, wie tief diese Zisterne ist. Und das smaragdgrüne Wasser ließ keine tieferen Blicke zu.

  

Bis heute besteht ein Wiederaufbauverbot, und so blieb die Burg  bis heute eine Ruine. Im Zuge der französischen Revolution (die Pfalz war in ihrer Geschichte wechselweise mal deutsch, mal französisch) gelangte die Ruine in den Besitz der Gemeinde Busenberg, die auch heute noch Eigentümer des Drachenfels ist.


Nach der Besichtigung der Burg hatten wir Drachenhunger und machten ein kleines Picknick.

Doch schnell wurde es ziemlich voll auf der Burg. Immer mehr Besucher kamen und auch Fahrradgruppen, welche ihre Bikes auf der Burg abstellten. Uns wurde das bald zu viel und wir beschlossen zu gehen. Allerdings nicht, ohne noch einen Blick auf den Drachen zu werfen! 

Der Drache, welcher im Halsgraben in den Fels geritzt wurde, ist bis heute noch gut zu sehen. Früher war dort wohl der Rittersaal. Dieser Drache könnte der Burg auch den Namen gegeben haben. Allerdings könnte es auch umgekehrt gewesen sein, dass das Bildnis auf den bereits existierenden Namen hingewiesen haben soll. Dies konnten die Forscher noch nicht eindeutig klären.

 
 

Gestärkt ging es auf den Heimweg.

 
 

Im Dorf angekommen konnten wir noch einen Blick auf den Dorfbrunnen von Busenberg werfen. Früher diente dieser als Waschplatz und Viehtränke. Heutzutage sollte man daraus aber nicht mal einen Hund trinken lassen, denn ein großes Hinweisschild warnt davor, dass das Wasser mit Chlor und Anti-Algenmittel versetzt ist.

 
 

Es war ein schöner, gemütlicher, ruhiger, witziger, erlebnisreicher und doch lehrreicher Tag.
Die Pfalz hat echt einige Schätze in ihrem Wald versteckt. Und es ist immer wieder interessant, diese zu erforschen und herauszufinden, was für eine Geschichte dahinter steckt.
Und so freuen wir uns schon auf die nächsten Aktivitäten mit Einstig.


Wenn Ihr diese Wanderung auch mal gehen wollt, könnt Ihr hier schauen: https://www.komoot.de/tour/18276828?ref=wtd
Sylvie hat die Wegstrecke mit ihrem Handy aufgezeichnet. Dort sind alle wichtigen Daten, wie z.B. Kilometeranzahl, Höhenmeter, Einkehrmöglichkeit, Wegbeschaffenheit usw. vermerkt.



Die Infos zum jüdischen Friedhof und der Burg Drachenfels habe ich folgenden Webseiten entnommen. Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben oder die Inhalte der verlinkten Seiten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Drachenfels_(Wasgau)
http://www.busenberg.de/cms/index.php/sehenswert/drachenfels
http://www.heimat-pfalz.de/magazin/maerchen-und-sagen-158/814-der-gespenstische-waldmann-vom-drachenfels.html
http://www.alemannia-judaica.de/busenberg_friedhof.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_Busenberg
http://www.burgenlexikon.eu/206.html

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