Sonntag, 9. Juli 2017

Endlich wieder am Bodensee! Über historische Fähren und den Bismarckturm in Konstanz

Hallo liebe Einstig-Blogleser!

Am Wochenende war es nach langer Zeit mal wieder soweit! Wir fuhren an den Bodensee.
Im Vorfeld haben wir uns lange Gedanken darüber gemacht, ob wir wirklich fahren sollten. Es spielte nämlich nicht nur das Wetter eine Rolle, sondern auch Baustellen. Denn genau bei Überlingen ist zurzeit ein Teilstück gesperrt, und die örtliche Umleitung ist oft überlastet. So galt es abzuwägen, ob es sich wirklich lohnt für nur einen Tag an den See zu fahren, und die drei Stunden Fahrt (pro Strecke) auf sich zu nehmen, wenn man evtl. noch Stauzeiten mit einplanen muss.

Doch unsere Sehnsucht nach Meersburg und dem Bodensee war größer. Wir haben es gewagt. Zumal das Wetter auch noch ganz gut sein sollte. Ich nehme es schon vorweg, wir hatten großes Glück, wir kamen in keinen Stau.
Und so ging es am Samstag früh um 7.00 Uhr los.

Die Fahrt verging schnell und wir hielten fleißig nach unseren markanten Punkten an der Wegstrecke Ausschau.

Das  Vogelnest bei  Ehningen ist von der A 81 immer gut zu sehen. Das „Sculptoura“ ist am Radwanderweg des Landkreises Böblingen vom Künstler Mathias Schweikle errichtet worden. Das Nest ist 12 Meter hoch, und zu Ostern lagen dort drei blaue 1,60 hohe Eier drin.
Mehr zum Nest findet Ihr hier: > Link <

Vogelnest von der Gegenfahrbahn fotografiert.
Deswegen etwas weit weg ;-) 

Außerdem ist der Aufzugstestturm bei Rottweil auch immer einen Blick wert. Erbaut wurde er im Auftrag von ThyssenKrupp Elevator AG - eben um zu testen, wie man am effizientesten Menschen von A nach B bringt.  Aktuell ist der Turm 244 Meter hoch. Anfang Oktober 2017 soll der Turm für Besucher geöffnet werden.  Auf dieser Homepage kann man den Wachstum des Bauwerkes mitverfolgen > Link <

 

Weiter entlang der A 81 gibt es auch schöne "Romeo & Julia"-Dörfer zu sehen. Wir haben die Dörfer so benannt, da sie sehr urig aussehen und durch weite Landstrecken voneinander getrennt sind - und doch haben sie etwas Verbindendes. > Link <


Und dann kommt natürlich unsere geliebte Autobahnraststätte Hegau.  Ein Stop ist dort ein Muss für uns! Nicht nur um zu tanken, sondern auch, um bei einem gemütlichen zweiten Frühstück die Aussicht auf die Vulkan- und Burgenlandschaft zu genießen. Vor mehr als 9 Millionen Jahren formten die Vulkane dieses Gebiet (davon habe ich Euch schon einmal berichtet:  "Besichtigung der Burgruine Hohentwiel bei Singen inkl. Weiterfahrt nach Bodman-Ludwigshafen und Überlingen"
Die Aussicht ist bei gutem Wetter wunderbar. Ein Homepage zur Raststätte gibt es hier > Link <

     
 

Als wir in Meersburg eintrafen, parkte Sylvie das Auto auf dem Parkplatz "Töbele" oberhalb von Meersburg. Dieser Parkplatz ist sehr kostengünstig (3,- für den ganzen Tag) und mit seiner Nähe zur historischen Stadt echt zu empfehlen. Außerdem ist er sehr groß und durch Bäume beschattet. So findet man dort immer einen geeigneten Parkplatz. Schon beim Aussteigen hat man einen grandiosen Blick über den See.

 

Wir marschierten los, den kurzen Weg nach Meersburg hinein. Dort durchquerten wir die Altstadt um uns dann Richtung Fähre zu wenden.
Über Meersburg an sich schreibe ich heute nichts, denn bei unseren vergangenen Besuchen haben wir Euch die Burg und die historische Stadt schon ausführlich beschrieben. Nachzulesen ist dies alles hier auf dem Blog unter "Vergangenes".  Außerdem soll es heute um eine  andere historische Attraktion gehen.

 

Am Fährhafen von Meersburg angelangt brauchten wir nicht lange zu warten. Denn im 12-Minuten-Takt legen dort die Fähren Richtung Konstanz-Staad ab. Die Überfahrt an sich dauert ca. 15 Minuten und ist mit 3,00 Euro pro Fahrt und Person kostengünstiger und schneller als die Weiße Flotte, welche ebenfalls bei Meersburg den Bodensee überquert.

 

Blicken wir nun das erste Mal zurück in die Vergangenheit. Ich gebe Euch nämlich kurz einige Infos zur Geschichte der Fähre zwischen Meersburg und Konstanz-Staad .

Seit fast 90 Jahren  gibt es diese Fährverbindung. Im Jahre 1928 fuhr die erste Autofähre über den Bodensee ,um die zwei Städte auf einem kurzen Weg zu verbinden. Ausschlaggebend hierfür war der 1. Weltkrieg, denn im Sommer 1914 wurde die Grenze zur Schweiz geschlossen, und so war die Stadt Konstanz von ihrem ursprünglichen Hinterland abgeschnitten. Auch nach dem Ende des Krieges änderte sich die Situation nicht wirklich. Außerdem war die Region strukturschwach, und so war ein wirtschaftlicher Austausch über den Bodensee von Vorteil. Aber die schlecht ausgebauten Straßen und Bahnlinien ließen schon damals den Schluss zu, dass dies nicht auf Dauer funktionieren konnte.
Im Dezember 1924 wurde dann vom Stadtrat eine Ausarbeitung eines Planes genehmigt.  Wie heute auch noch so oft, explodierten aber die Kosten zu diesem Projekt und wuchsen von 250.000 Reichsmark auf 608.000 Reichsmark. Ebenfalls gab es Unstimmigkeiten über die Anlegestellen sowie den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit einer Fähre.
Endlich, 1927, wurde ein Vertrag mit der Bodan-Werft Kressbronn geschlossen, um die erste Fähre zu bauen.
Bis heute werden die Fähre und der Fährhafen immer wieder dem neuen Verkehrsaufkommen angepasst.  Fasste die erste Fähre "Konstanz" gerade einmal 15 Autos, so kann die "Lodi" heute 62 PKWs aufnehmen und verfügt über eine Fußbodenheizung, welche im Winter Glätte verhindern soll.


Damals wie heute umgehen die  Benutzer durch die 4,8 Kilometer lange Fährstrecke den 53 Kilometer langen Landweg um den Überlinger See.
Zur Zeit sind sechs Autofähren in Betrieb, welche neben Berufspendlern und Touristen auch Busse, Lkws und den Fernverkehr in die nahe gelegene Schweiz bringen. Die älteste Fähre, die noch im Betrieb ist, ist die "Fontainebleau", erbaut im Jahr 1970. Neustes Fährschiff ist die "Lodi", die aus dem Jahr 2010 stammt.

 
Die "Lodi" ist auf diesem Plakat noch gar nicht drauf,
da sie erst 2010 in Betrieb ging

Wir hatten sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg die Ehre, mit dem neusten Schiff der Flotte zu fahren. Und so setzten wir mit der "Lodi" zum anderen Ufer über.


 

Aber auch die anderen Fährschiffe sahen wir. Denn gestern waren gleich fünf Fähren auf einmal im Einsatz. Oft kreuzten sich die Wege der Fähren auf dem  See, oder man begegnete sich im Fährhafen.

 
  

Die Fähren fahren rund um die Uhr und bei jedem Wetter. Bis Windstärke 12 können sie auslaufen. Nur die Seegfrörne (das Zufrieren des kompletten Bodensees im Winter 1962/1963) verhinderte bisher ein Auslaufen.
Es gibt eine kleine Statistik, welche die Stadtwerke Konstanz herausgebracht hat. Die Schiffe überqueren jährlich rund 61.000 Mal den Bodensee und befördern dabei: 4,3 Millionen Personen,
1,4 Millionen Personenkraftwagen, 509.000 Zweiräder, 89.000 Nutzfahrzeuge.
Diese Infos und viele weitere zur Fährverbindung findet Ihr bei Wikipedia > Link <

  

In Staad angekommen machten wir uns auf den Fußweg zum Bismarckturm.
174 Bismarcktürme und Säulen stehen in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Polen, Russland, Österreich, Kamerun, Tansania und Chile.
Die Bauten erinnern an Otto von Bismarck (1815 - 1898), den Gründer des Deutschen Reiches. An Gedenktagen wie z. B. Bismarcks Geburtstag, sollten auf den Türmen Feuer brennen.
Wer sich mehr in das Thema Bismarcktürme vertiefen möchte, findet auf folgender Webseite eine Reihe von interessanten Informationen.   > Link <


Hier soll es nun vorrangig um den Bismarckturm bei Konstanz gehen, schließlich wollten wir diesen sehen. Im Vorfeld war uns schon bewusst, dass der Turm nicht an allen Tagen geöffnet ist und wir evtl. Pech haben könnten und vor verschlossener Tür stehen würden. Trotzdem gingen wir dieses Risiko gerne ein, da schon alleine die Aussicht schön sein sollte.

Den Weg, um zu diesem (doch zugegebenermaßen gut versteckten) Turm zu kommen, hat Sylvie mit Koomot aufgezeichnet: https://www.komoot.de/tour/19225457. Dort könnt Ihr nicht nur die Strecke, Höhenmeter und Zeit sehen, sondern auch noch weitere Fotos. Ich gebe es gerne zu, ohne Komoot mit Wegstreckenanzeige, zusätzlichem Google-Maps-Plan und Sylvies Wanderführerqualitäten hätte ich den Turm wohl nie gefunden.
Der Weg führte uns durch Staad hindurch, weiter über Wiesen und Felderund  an einem kleinen Bach vorbei.

 
 

Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel, und so kam dieser Bach uns sehr gerufen. Eine kleine Abkühlung tat gut, da die meiste Wegstrecke ohne Schatten zurück gelegt werden musste.

Der Bismarckturm hat eine Höhe von 22 Metern und ist somit der höchste Bismarckturm in Baden-Württemberg. Er ist auf dem Raiteberg auf 452 m ü NHN erbaut.
Errichtet wurde er in den Jahren 1911/1912 aus Beton und einer Feuerschale auf dem Dach. Diese war noch bis 1944/1945 in Betrieb war und wurde immer am 1. April zu Bismarcks Geburtstag entzündet.. Schon vor der Einweihung besuchte Ferdinand Graf von Zeppelin das Bauwerk.
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Turm von verschiedenen Vereinen gemietet. 1980 bis 1997 die Funkgemeinschaft Konstanz,  von 1997 bis 2007 war der Ortsverband Bodensee des Deutschen Amateur-Radio-Club e. V.  dort Mieter. Der aktuelle Mieter, der Konstanzer IT-Unternehmer Gerhard Bernot, plant im Turm ein "Zeitreise"-Museum über die Entwicklung von Technik und Gesellschaft einzurichten.
(Infos von: https://de.wikipedia.org/wiki/Bismarckturm_(Konstanz))


Vier Säulen stehen am Eingangsportal. Eine Inschrift  mit dem Wort "Bismarck"  ist dort zu lesen.
Früher waren auf den beiden Podestsockeln am Eingang ebenfalls Flammenschalen aufgestellt, diese existieren inzwischen nicht mehr.

 

Wir wurden auf den Turm aufmerksam, weil er unter den "10 schönsten Aussichten auf den Bodensee" aufgeführt wurde. Leider muss ich gestehen, dass dies wohl doch übertrieben war. Man hat einen wunderschönen Blick auf Konstanz und auf ein Stückchen See. Aber diesen Aussichtspunkt unter den "Top 10" zu nennen, finde ich persönlich doch etwas hoch gegriffen.  Nun ja, vielleicht lag es auch einfach daran, dass der Turm eben wirklich verschlossen war und wir die "Aussicht" nur von der Plattform vor dem Turm aus genießen konnten.

  

Nachdem wir unseren Blick genug hatten schweifen lassen, machten wir uns auf zurück zur Fähre und somit zurück nach Meersburg.
Dort angekommen aßen wir zu Mittag, bummelten durch die Altstadt und erledigten noch ein paar Einkäufe. Ein dumpfes Donnergrollen ließ uns zum Himmel aufblicken und wir sahen dunkle Gewitterwolken hinter der Meersburg. Als Karlsruher denkt man noch: "Ach, das zieht vielleicht weiter. Kennt man ja. Ein, zwei Donner und das war es!"
Doch die besorgten Gesichter der Meersburger Anwohner ließen bei uns Zweifel kommen. Spätestens als die Geschäftsleute der mittelalterlichen Kleinstadt begannen, die Sonnenschirme zusätzlich zu beschweren und ihre Ware zu sichern, wurde auch uns klar: Da kommt was auf uns zu! Also rafften wir unsere Einkäufe zusammen und machten uns auf den Weg zurück zum Parkplatz Töbele. Wir packten alles ein, verabschiedeten uns vom See und fuhren los. Schon nach wenigen Kilometern (wir waren gerade bei Überlingen) legte das Unwetter los. Der Starkregen machte nur noch ein langsames Vorankommen möglich. Die Straßen verwandelten sich in kleine Flüsse und das Trommeln der Regentropfen auf dem Autodach erreichte eine Lautstärke, bei der wir uns nur mühsam unterhalten konnten.

 

Dennoch hatten wir riesiges Glück, wir kamen ohne Zwischenfall durch das Unwetter durch. Während der Fahrt besserte sich das Wetter wieder und wir erlebten einen wahren Temperaturzonen-Wechsel. Losgefahren bei 30 Grad in Meersburg, war es auf einmal nur noch 22 Grad warm und es ging weiter bergab mit den Temperaturen. Bei 19 Grad war dann der Wendepunkt erreicht. Je weiter wir Richtung Karlsruhe kamen, umso höher stieg das Thermometer wieder. Bei 32 Grad kamen wir dann  in Karlsruhe an.

 

Wie viel Glück wir mit dem Wetter hatten, erfuhren wir während der Fahrt durch den Verkehrsfunk: In Meersburg/Hagnau/Friedrichshafen musste das Unwetter richtig zugeschlagen haben. Bäume lagen über den Straßen und verhinderten so jedes Durchkommen. Wir kamen unbeschadet und ohne Stau in Karlsruhe an.

Es war wieder ein wunderschöner Tag am See. Und unser nächstes Ziel am Bodensee haben wir auch schon ins Auge gefasst. Fehlt nur noch ein Termin!

Bis dahin verkürzen wir uns die Wartezeit und schauen uns immer wieder Sylvies Videoclip von dem Tag an. Schaut doch auch mal rein, so könnt Ihr das eben Gelesene auch in bewegten Bildern sehen. Die sind oft aussagekräftiger als nur Worte. Die Qualität des Clips könnt Ihr am Zahnrädchen erhöhen.



Ich freue mich, Euch beim nächsten Mal wieder hier begrüßen zu dürfen und wünsche Euch noch viele schöne Sommer-Sonnentage.



Keine Haftung für den Inhalt und die Richtigkeit der von mir verlinkten Webseiten.

Sonntag, 18. Juni 2017

Wanderung zu einem jüdischen Friedhof und zur Burgruine Drachenfels bei Busenberg

Hallo liebe Einstig-Freunde,
nachdem diese Wanderung wegen des Wetters schon einmal verschoben wurde, hofften wir an diesem Wochenende inständig auf einen regenfreien Tag. Und unser Wunsch wurde erhört.

Sylvie und ich hatten diese Wanderung schon einmal mit unseren Eltern gemacht und waren von der Natur, dem Friedhof und der Burgruine damals sehr angetan. Deshalb freuten wir uns sehr, als wir am Samstag diese Wanderung mit Einstig wiederholen konnten.

Sylvies Videoclip verdeutlicht die Schönheit der Natur wieder sehr gut.
(Qualität am Zahnrädchen erhöhen oder direkt bei Youtube anschauen, indem Du auf den weißen Titel des Videoclips klickst.)


Der Wanderweg sollte uns von Busenberg aus über den "Hexenplatz" zum jüdischen Friedhof und weiter zur Burgruine Drachenfels führen.



Los ging es, wie bei uns üblich, schon am Morgen. Bei bewölktem Wetter machten wir uns auf die Fahrt von Karlsruhe aus in die Pfalz. Durch etliche Weindörfer lenkte Sylvie das Auto, und manche Kurven erinnerten uns an eine Serpentinenstraße auf Mallorca.
Als wir an einem Schild mit der Aufschrift "Häädstorzenfest" vorbeikamen, fühlten wir uns echt in ein fremdes Land (mit fremder Sprache) versetzt. Selbst ich als waschechte "Pälzermäd" wusste mit dem Wort nichts anzufangen. "Storzen" war mir schon ein Begriff, aber "Hääd"? Wie sich später herausstellte, war damit zum einen der Spitzname der Gemeinde Birkenhördter gemeint, und zum anderen - wenn man das Wort ins Hochdeutsche übersetzt - "Heidekrautstumpf". Wieder etwas gelernt!
Nach knapp einer Stunde kamen wir am Ziel an.


Wir stellten fest, dass wir alle gut ausgerüstet waren für die ca. 7 km lange Strecke - jeder auf seine Weise.


Wie sich hinterher herausstellte, war die Sandalenträgerin dann auch die Heldin des Tages! Doch dazu mehr (die Spannung soll noch etwas erhalten bleiben).

Vom Parkplatz aus starteten wir zum ersten Ziel der Tour: dem Hexenplatz.

Der Weg führte erst ein Stückchen durchs Dorf Busenberg und an einer Wanderkarte vorbei. Um sicher zu gehen studierten wir alle diese Karte noch einmal - wie sich später herausstellte war dies vergebene Liebesmühe ...

  

Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, warum der Hexenplatz so heißt und ob es eine Sage oder Legende dazu gibt. Der Stein wurde 2003 vom Obst- & Gartenbauverein Busenberg  als Markierung für Wanderer gesetzt.


Nun ging es fröhlich weiter zum jüdischen Friedhof. Eine wunderschöne Landschaft erschloss sich vor uns. Sommerlich blühende Wiesen, Täler und der Pfälzer Wald erstreckten sich rund herum. Nicht nur wir, auch die Hunde genossen die Natur und Landschaft.

  

Wir lachten sehr viel unterwegs und vergaßen darüber, den richtigen Weg im Auge zu behalten - es lief sich einfach zu gut. Bis Sylvie auf einmal: "Ähm ... halt! Macht mal Stop!" rief. Tja, da hatten wir doch glatt eine Abzweigung verpasst. Wir wären einfach weitergelaufen und wären wahrscheinlich wieder in Busenberg herausgekommen. Das wäre dann eine kurze Wanderung gewesen. Gut, dass wir unsere Wanderführerin Sylvie hatten. Nach kurzer Überprüfung der Karten stimmten wir Sylvie zu: "Wir müssen zurück!". Alle nickten einstimmig - bis auf Easy. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, diesen Weg weiter zu gehen! Sie bockte und war nicht zu bewegen, den Weg wieder zurückzugehen.
Laudine hatte ein Einsehen mit dem armenverwirrten Hündchen und nahm sie kurzerhand unter ihre Arme.
Also ging es den Weg wieder etwas zurück, Easy hatte sich umstimmen lassen (Leckerlies sei Dank), und die Stimmung war nach wie vor Bestens. Und sie sollte noch besser werden!
Denn Meggie und Easy waren so damit beschäftigt über die Wiesen zu rennen, dass sie nicht merkten, dass am Rande das Dickicht dorniger wurde, der Weg abfiel und  Brennnesseln den Weg zurück zum Wanderweg versperrten. Doch zum Glück hatten wir unseren "Sandalen-Engel" dabei. Uli stürzte sich mutig den Hang hinauf um die Hunde zu retten, keine Brommbeerdornen und keine stechenden Pflanzen konnten sie aufhalten.

Bei Meggie gelang dies auch noch sehr elegant und einfach. Ein beherzter Griff und Meggie war unten. Nun kam Easy an die Reihe. Doch da sie um einiges kleiner ist als Meggie, war sie nicht so einfach zu greifen. Zumal Easy auch keine Anstalten machte, einen Meter auf Uli zuzugehen. Also ging Uli eben zu Easy.

  

Beherzt griff Uli zu und hatte Easy im Arm. Doch leider war der Weg nach oben einfacher als der Weg nach unten. Zumal Uli nun keine Hände mehr frei hatte. Es half nichts, ein anderer Weg nach unten musste gefunden werden. Also einfach oben auf der Wiese noch weiter entlang laufen, bis es weniger Dornen und Brennnesseln gab. Einfach "hier um die Ecke rum, Uli" war noch der Satz, der fiel ... tja ... und dann fiel etwas ganz anderes. Unser "Sandalen-Engel" flog der Länge nach mit einem engelsgleichen "Uiiiiiii" ins Gras. Und weg waren Uli und Hund. Im hohen Gras nicht mehr zu sehen! Ein gemeines Erdloch brachte unser Heldin des Tages zu Fall.
Zum Glück verletzten sich weder "Sandalen -Engel Uli" noch Easy bei dem Sturz. Und die Stimmung war danach unglaublich gut! Selbst Uli musste über ihren Freiflug lachen und schaffte es den restlichen Abhang hinunter - ohne Flügel.



Easy war gerettet! Glücklich schloss Sylvie unseren Hund wieder in die Arme. Und Uli bekam den Titel der Ehrenheldin verliehen!

Nun konnte uns nichts mehr davon abhalten, dem richtigen Weg zu folgen, um endlich zum Friedhof zu gelangen. Das kurze Stück Weg war gut zu gehen und durch viele unterhaltsame Gespräche auch schnell gelaufen.

Der jüdische Friedhof liegt unweit der Bundesstraße, und doch versteckt er sich gut hinter einigen Hecken.

 

Am Eingang ist eine Tafel angebracht, welche darauf verweist, dass der Friedhof seit 1833 besteht. Er war über 150 Jahre zentrale Begräbnisstätte der vier jüdischen Gemeinden in den Wasgaudörfern Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal. Es stehen 286 Gräber auf dem Feld verteilt, das seit 1985 ein geschütztes Kulturdenkmal ist.


Beim Anblick der alten Gräber trat auch sofort ein ehrfürchtiges Gefühl bei uns ein.

 
 
   

Manche Inschriften auf den Grabsteinen waren schon ziemlich verwittert und ließen sich nur schwer lesen.

  

Die historischen Grabsteine faszinierten uns, und wir blieben vor fast allen stehen und bestauten sie.
Manche Inschriften konnten wir noch entziffern und so die Lebensgeschichte der Menschen erfahren.

 

Einige Steine waren kunstvoll geschmückt und mit Ornamenten versehen.

   

 

Nach der Machtübernahme der Nazionalsozialisten wurde 1938 der Friedhof geschändet und etliche Gräber umgeworfen. Mindestens ein Drittel der Grabsteine wurden dabei zerstört.
Es ist kaum zu glauben, doch selbst nach dem Kriegsende wurde der Friedhof auch weiterhin geschändet. Das letzte Mal vor gar nicht zu langer Zeit: 1978, 1994 und 1997

   

1955 wurde der westliche, neuere Teil des Friedhofs instand gesetzt; der östliche, ältere Teil blieb verwildert. Nach der letzten Bestattung in der Zeit des Nationalsozialismus 1939 fanden zwischen 1958 und 1979 drei weitere Beerdigungen statt. Im April 2016 wurde die letzte Beisetzung auf dem Friedhof vorgenommen. Karl-Heinz Levy wohnte zuletzt in Florida, USA, und es war sein ausdrücklicher Wunsch in Busenberg neben seiner Großmutter bestattet zu werden.


Nachdem wir lange auf dem Friedhof verweilt hatten, gingen wir bewegt und nachdenklich weiter unseres Weges, immer in Richtung Burgruine Drachenfels.
Kurz vor der Ruine gibt es eine kleine PWV-Hütte. Da wir noch keinen Hunger verspürten, nutzten wir das Essensangebot dort nicht. Wollten wir doch lieber Picknick auf der Burgruine machen. Aber ein anderes Angebot nutzten wir gerne. Nicht umsonst hatten wir schon herausgefunden, dass PWV nicht wie oft gedacht für "Pfälzer Wald Verein" steht, sondern vielmehr für uns bedeutet: "Pipi, Wandern, Vespern".

Nun waren es nur noch ein paar Meter bis zum eigentlichen Ziel:


  

Um diese Burg ranken sich viele Sagen und Legenden.

Eine handelt davon, dass ein Wanderer in der Dämmerung einem Waldmann begegnet ist. Im Dorf erzählte der erschrockene Wanderer von seinem Erlebnis und erfuhr, was es mit dem Waldmann auf sich hatte. Der Graf der Burg hatte eine wunderschöne Tochter welche von einem höfischen Schreiber umbuhlt wurde. Der Graf bekam davon Wind und verbannte den unglücklich Verliebten aus dem Land.  Doch so leicht lies er sich nicht vertreiben und buhlte weiter um Adelheid. Er stellte unter einem Kastanienbaum ein Hochzeitsbett auf, in dem sie gemeinsam dem Tod entgegen gehen sollten. Denn ein getrenntes Leben konnten sie sich nicht vorstellen. Adelheid fand schließlich durch einen Dolchstoß den tot.  Als der verliebte Mörder seine sterbende Angebetete im Arm hielt, verließ in der Mut, sich ebenfalls zu töten.  Feige flüchtete er in den Wald.
Der Graf starb nur wenige Tage nach seiner Tochter. Der  ehemalige höfische Schreiber und Geliebte der Grafentochter, treibt aber noch heute sein Unwesen in den Wäldern. Immer wenn der Sturmwind braust, soll er sich an diesem Kastanienbaum noch zeigen.
(Nach Alexander Schöppner, Sagenbuch der bayrischen Lande, 1852)

An der Burgruine gibt es eine Hinweistafel mit den geschichtlichen Hintergründen.
Demnach wurde die Burg um das Jahr 1200 als Grenzburg der Abteil Klingenmünster erbaut und war bis 1344 im Besitz der Ritter zu Drachenfels.
1523 wurde die Burg während der "Sickinger Fehde" (Erbstreitigkeiten, Burgbesetzungen) endgültig zerstört.


Die Burg setzt sich aus zwei Felsen zusammen.
Der östliche Burgfels beherbergt die ältere Unterburg, während auf dem westliche Burgfels die neuere Unterburg steht.

  
 
  
 

Auch viele Kammern, Fenster, Treppen und Mauern sind erhalten geblieben.

       

Von der Burg aus hat man einen wunderbaren Blick über den Pfälzer Wald

 
 

 

Sogar den jüdischen Friedhof konnten wir in der Ferne ausmachen.


Da wir uns bis ganz nach oben trauten und selbst die steilen Metallstufen erklommen, konnten wir auch die Zisterne betrachten. Sie diente dazu, Regenwasser aufzufangen, welches bei einer Belagerung der Burg dann als Wasserreservoir diente. Eine Legende dazu besagt, dass dieses Wasser die Burg auch beschützen sollte, falls ein Drache sie niederbrennen wollte.
Trotz Nachforschung konnte ich leider nicht herausfinden, wie tief diese Zisterne ist. Und das smaragdgrüne Wasser ließ keine tieferen Blicke zu.

  

Bis heute besteht ein Wiederaufbauverbot, und so blieb die Burg  bis heute eine Ruine. Im Zuge der französischen Revolution (die Pfalz war in ihrer Geschichte wechselweise mal deutsch, mal französisch) gelangte die Ruine in den Besitz der Gemeinde Busenberg, die auch heute noch Eigentümer des Drachenfels ist.


Nach der Besichtigung der Burg hatten wir Drachenhunger und machten ein kleines Picknick.

Doch schnell wurde es ziemlich voll auf der Burg. Immer mehr Besucher kamen und auch Fahrradgruppen, welche ihre Bikes auf der Burg abstellten. Uns wurde das bald zu viel und wir beschlossen zu gehen. Allerdings nicht, ohne noch einen Blick auf den Drachen zu werfen! 

Der Drache, welcher im Halsgraben in den Fels geritzt wurde, ist bis heute noch gut zu sehen. Früher war dort wohl der Rittersaal. Dieser Drache könnte der Burg auch den Namen gegeben haben. Allerdings könnte es auch umgekehrt gewesen sein, dass das Bildnis auf den bereits existierenden Namen hingewiesen haben soll. Dies konnten die Forscher noch nicht eindeutig klären.

 
 

Gestärkt ging es auf den Heimweg.

 
 

Im Dorf angekommen konnten wir noch einen Blick auf den Dorfbrunnen von Busenberg werfen. Früher diente dieser als Waschplatz und Viehtränke. Heutzutage sollte man daraus aber nicht mal einen Hund trinken lassen, denn ein großes Hinweisschild warnt davor, dass das Wasser mit Chlor und Anti-Algenmittel versetzt ist.

 
 

Es war ein schöner, gemütlicher, ruhiger, witziger, erlebnisreicher und doch lehrreicher Tag.
Die Pfalz hat echt einige Schätze in ihrem Wald versteckt. Und es ist immer wieder interessant, diese zu erforschen und herauszufinden, was für eine Geschichte dahinter steckt.
Und so freuen wir uns schon auf die nächsten Aktivitäten mit Einstig.


Wenn Ihr diese Wanderung auch mal gehen wollt, könnt Ihr hier schauen: https://www.komoot.de/tour/18276828?ref=wtd
Sylvie hat die Wegstrecke mit ihrem Handy aufgezeichnet. Dort sind alle wichtigen Daten, wie z.B. Kilometeranzahl, Höhenmeter, Einkehrmöglichkeit, Wegbeschaffenheit usw. vermerkt.



Die Infos zum jüdischen Friedhof und der Burg Drachenfels habe ich folgenden Webseiten entnommen. Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben oder die Inhalte der verlinkten Seiten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Drachenfels_(Wasgau)
http://www.busenberg.de/cms/index.php/sehenswert/drachenfels
http://www.heimat-pfalz.de/magazin/maerchen-und-sagen-158/814-der-gespenstische-waldmann-vom-drachenfels.html
http://www.alemannia-judaica.de/busenberg_friedhof.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_Busenberg
http://www.burgenlexikon.eu/206.html