Sonntag, 31. Juli 2016

Unsere Einstig-Tradition und ein Muss: Das Richard-Löwenherz-Fest in Annweiler am Trifels

Hallo liebe Einstig-Freunde!

Eine kleine Frage zu Anfang des Blogbeitrages: Was haben der 26.07.2014 , 25.07.2015 und der 30.07.2016  gemeinsam?
Ja, alle drei Tage waren so eine Art "Da müssen wir hin"-Termine. Wie, wohin? Na, zum Richard-Löwenherz-Fest nach Annweiler am Trifels!

Schon in den vergangenen Jahren markierten wir uns diesen Termin immer dick in unserem Kalender. So sollte es auch in diesem Jahr  klappen, dass wir an diesem Wochenende in die zweitälteste Stadt der Pfalz fuhren.
Doch diesmal war die Spannung und Erwartung an das mittelalterliche Fest noch größer. Im Vorfeld war viel Neues - neue Attraktionen und Besonderheiten - angekündigt worden. Denn das mittelalterliche Fest wurde zum ersten Mal vom Verein "Zukunft Annweiler e.V." ausgerichtet.

Sylvie führt Euch mit ihrem Videoclip hinein in die Vergangenheit, in die Welt des 12. Richard-Löwenherz-Festes in Annweiler am Trifels.
Um den Videoclip in optimaler Qualität zu sehen, einfach auf den weißen Titel klicken und dann am Zahnrad die Qualität erhöhen


Bevor ich nun in Schrift und Bild vom historischem Fest berichte, noch ein paar Worte zu Annweiler. Sobald man durch die Gassen und Straßen von Annweiler wandelt, fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt - dazu braucht man nicht einmal das Richard-Löwenherz-Fest.
Im 7. oder 8. Jahrhundert war Annweiler nur eine kleine fränkische Ansiedlung. Der Name Annweiler geht wohl auf einen Franken namens Anno oder Arno zurück. Doch schon bald wurde die Ansiedlung zu einer der wichtigsten Städte in der Umgebung.
1116 wurde Annweiler erstmals urkundlich erwähnt. Am 14.09.1219 verlieh der Stauferkönig Friedrich II. Annweiler die Stadtrechte. Mit der Stadturkunde erhielt Annweiler dann auch ein eigenes Münzrecht und prägte wahrscheinlich in der Stadt Münzen.
Durch Annweiler fließt der kleine Fluss "Queich". Die Ufer schön geschmückt mit Blumen, drehende Wasserräder und eine Entenfamilie, die sich an den Wasserpflanzen in der Queich stärkte, ergaben ein sehr idyllisches Bild.

 
 
    

Über Annweiler trohnt die Burg Trifels. 1081 wurde erstmal ein Diemar vom Trifels als Namensträger der Burg erwähnt. Doch noch aus einem ganz anderen Grund ist die Reichsburg Trifels weit über das Land hinaus bekannt. War sie doch Gefängnis des berühmten und sagenumwogenen englischen Königs Richard Löwenherz. 1193 stand er auf der Burg unter Arrest. Der Legende nach fand ihn sein treuer Minnesänger Blondel, weil er vor jeder Burg eine Strophe eines Liedes spielte. Am Fuße der Burg Trifels antwortete dann der König mit der zweiten Strophe des Liedes. So wusste Blondel, wo sein König gefangen gehalten wurde.

 

Man kann den Trifels von fast allen Plätzen der Stadt aus sehen, so gewaltig ragt die Reichsburg aus dem 12. Jahrhundert im Pfälzer Wald auf. 

  

Nun aber genug der geschichtlichen Hintergründe. Kommen wir zurück ins hier und jetzt - und bleiben doch im Mittelalter und schauen uns das Treiben auf den historischen Gassen von Annowilre an.

Zunächst hieß es, sich in Schale, Pardon Gewandung, zu werfen! Es war eine ungemeine Erleichterung, dass uns Gérard und Brigitte wieder ihre Wohnung zur Verfügung stellen, um uns um zuziehen. Denn die Anfahrt nach Annweiler ist in ziviler und moderner Kleidung doch leichter zu bewältigen.
In Bindersbach gesellte sich dann auch noch der Rest der Gruppe zu uns. Es gab es ein herzliches Wiedersehen mit Steffi und Micha.

 
 
  

Dann ging es auch schon von Bindersbach los in Richtung Annweiler. Ein Parkplatz war dank der Ortskunde von Gèrard und Brigitte schnell gefunden; ebenso die Location für das erste Gruppenfoto des Tages.


Der Wegzoll für Gewandete betrug 4 Euro und war damit sehr günstig. So hatten wir die Geldkatze noch gut gefüllt, um uns im Markttreiben an den Ständen das Eine oder Andere zu gönnen. Nachdem jeder sein Bändchen ums Handgelenk gebunden bekommen hatte, wandelten wir durch die historische Altstadt und erspähten immer wieder neue Objekte der Begierde.

  
    

Noch keine zehn Minuten gelaufen, trafen wir schon alte Bekannte wieder. Die Mittelalterwelt ist eben klein und fein.

  
  
 

Bald meldeten sich unsere Mägen. Sie wollten gefüllt werden - und das nicht zu knapp.
Die Auswahl an Gaumenfreuden war überschaubar und so saßen wir bald alle zusammen auf dem Marktplatz und füllten unsere Bäuche mit Flammlachs im Brötchen und Schupfnudeln mit Kraut, dazu ein Becherchen Cidre bzw. Bier.

   
   
So gestärkt waren unsere Blicke geschärft für die Neuerungen des Festes.
Wir entdeckten, dass auch die Nebengassen nun mehr miteinbezogen worden waren. Überall schallte Musik durch die Gassen, und immer wieder zogen Akteure und Schausteller durch die Menschenmenge. Es gab nun, neben der Hauptbühne, auch noch eine zweite Bühne.

  
  
  
 

Allgemein wirkte der Markt belebter als in den Jahren zuvor. Mehr gewandete Besucher liefen durch die Stadt und zeigten ihre historischen (zum Teil auch fantasievollen) Kostüme. Besonders die jüngeren Besucher fanden unsere Gewandungen sehr spannend. Und so beglückte Gérard manches Kinderherz, indem er sein Schwert in die kleinen Hände gab oder Sylvie ihre Krone auch mal einem Mädchen aufsetzte.

Viele Handwerker zeigten ihre Künste und fertigten vor den Augen der staunenden Besucher Waren an. Vom Papierschöpfen über das Schmieden von Ringen, dem Flechten von Körben und Tonen bis hin zum Steinmetz, Bürstenbinder und Gerber waren alle Branchen vertreten. Auch ein indischer Zauberer zog uns in seinen Bann. Schon alleine seine Ausstrahlung wirkte magisch und fesselnd.

   
  
  

Die Markteröffnung mit dem Einzug der Lagerleute, Akteure und Schausteller konnten wir uns nicht entgehen lassen. Der Ansprache des Herolds lauschend sahen wir das eine oder andere Gesicht, welches wir in den vergangenen Jahren schon öfter gesehen hatten: die Tanzgruppe Faux Pas, die Herrenlosen, der Geschichtenerzähler ...
Auf der Bühnen selbst versammelten sich die hohen Herrschaften König Richard Löwenherz, Kaiser Heinrich VI. und der Markward von Annewillre, um von ihrem Volke bejubelt zu werden (eine andere Möglichkeit als zu jubeln wurde auch gar nicht gewährt - sonst drohte eine Erhöhung der Steuern!).

  
  
 
   

Doch nur zuzuschauen ließ der Herold Chnutz vom Hopfe nicht durchgehen. So forderte er uns zum Tanze auf, und durch seine Kommandos wie "heeee"und "hooo" entstand eine kleine Choreografie.

  
Gleich im Anschluss an die Eröffnung wohnten wir noch dem historischem Schauspiel zur Verleihung der Stadtrechte bei. Dem Publikum wurde so verdeutlicht, wie wichtig dieses Ereignis damals gewesen war. Denn zuvor galt das kleine Weiler noch nicht als Stadt, und die Bauern mussten weite Wege in Kauf nehmen, um ihre Ware zu verkaufen. Erst mit den Stadtrechten durfte Annweiler einen eigenen Markt betreiben und wurde nach und nach zu einer der wichtigsten Städte in der Pfalz
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Ein Wort zum Wetter sei mir hier auch vergönnt, hatten wir in den letzten Jahren doch schon so ziemlich jede Wetterlage beim Festtreiben erlebt. Einen absoluten Hitzerekord mit 39 Grad im Schatten, der uns dazu brachte die gewandeten Füße in das Flüßlein Queich zu hängen, war ebenso dabei gewesen wie der Donnergott Thor, der uns manchen Gewitterschauer bescherte. Dieses Mal war Petrus ganz auf unserer Seite. Mit 25 Grad und einem Sonnen-Wolken-Mix bescherte er uns das ideale Wetter. Und zum ersten Male nach langer Zeit konnten wir auch wieder die Füße ins Wasser hängen und bei einem leckeren Eis die Seele baumeln lassen.

  

Wir bummelten weiter durch die Gassen, kauften hier ein und schauten dort. Doch immer wieder kehrten wir an den Getränkestand neben der Hauptbühne zurück. Dort gab es leckere Trauben-, Apfel- und Weinschorle. Bei dem Wetter genau der richtige Durstlöscher und geschmacklich nicht zu übertreffen! Außerdem durfte man sich seine Schorle aus großen Glaskaraffen selbst füllen.

  
 
Für Groß und Klein wurde viel geboten. Auf dem Karussell, das mit starker Manneskraft angetrieben wurde, durften sogar wir Platz nehmen.  Die Pferde aus Holzfässern trugen uns stolz und schnell davon.

 
  

Unsere Blicke blieben nicht nur bei den Lagerleuten und ihren Zelten hängen, sondern auch bei der Falknerei "Anderswelt". Die prachtvollen Greifvögel saßen majestätisch vor ihren eigenen Zelten. Außerdem wurden wir eingeladen, "Einhörner" zu kuscheln. Einmal Einhornkuscheln solle Glück für ein ganzes Jahr bringen, so hieß es! Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Zumal die "Einhörner" ein wunderbar flauschiges Fell hatten und die Streicheleinheiten selbst auch sehr genossen.

  
 
  
  

Überall gab es schöne Ecken zu entdecken, die dazu einluden, tolle Fotos zu machen.

    
  
  

So verging ein wunderschöner Tag im Pfälzer Städtchen. Wir machten uns um 18 Uhr alle müde und erschöpft auf den Heimweg. Schließlich standen noch für machen von uns zwei Stunden Heimfahrt auf dem Programm.

Mein Fazit für das 12. Richard-Löwenherz-Fest lautet:
Der Wegzoll hat sich mehr als gelohnt! Die Annweilerer Altstadt mit seinen Gässchen ist einfach die perfekte Kulisse für so einen historischen Markt.

    
   
Die Mischung aus Handwerkskunst, Gaumenschmaus und Verkaufswaren war absolut stimmig und lud sicher den einen oder anderen ein, freizügiger seinen Geldbeutel zu öffnen. Durch das gute Wetter bedingt war die Stimmung ausgelassen, und die vielen Besucher und Akteure bescherten ein buntes Markttreiben. Es war wunderschön, mal wieder alte Freunde zu treffen und zusammen Zeit zu verbringen. Wir werden sicher gerne im nächsten Jahr wieder dabei sein.

Einstig wäre nicht Einstig, wenn wir trotz Müdigkeit unsere gute Laune verlieren würden. So wurde der Schwanenweiher in der Markwart-Anlage zum Schluss noch Schaupunkt unserer Lebensfreude und Freundschaft.

  
   

Weitere Fotos vom Festtreiben findet Ihr in unserem Forum im Aktivitäten-Archiv. Einfach >> hier klicken <<  Es entstanden einfach zu viele schöne Erinnerungsbilder, als dass diese alle hier im Blogbeitrag Platz gefunden hätten.

Jetzt geht es erst einmal in die Einstig-Sommerpause!
Am 17.09 sehen wir uns wieder - zur Kostümversteigerung des Badischen Staatstheaters!
Bleibt gesund und kommt gut durch den Sommer!  Ich freue mich auf ein Wiedersehen.

1 Kommentar:

  1. Ich war begeistert was ihr da auf die Beine gestellt, und den Besuchern geboten habt. Wir konnten für unser Event im kommenden Jahr einige Ideen übernehmen. Was wir auch machen wollen sind kleine Wettbewerbe, wie z.B, Armbrustschiessen

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