Sonntag, 6. September 2015

Platzende Luftballons, schräge Ränder und ein Ungetüm im Kofferraum

Weiß - das war für uns gestern eindeutig die vorherrschende Farbe. Unsere Sommerpause ist zu Ende, und der Herbst startete für Dani, Romina, Sylvie, Yvonne, ihre Tochter und mich ganz kreativ. Wir toben uns ja gerne mit allen möglichen Materialien aus – Ton, Seife, Filzwolle … –, und eines war bisher noch nicht darunter: Gipsbinden. Kaum stand der Termin für dieses Treffen fest, begann das große Grübeln: Was wollen wir denn basteln? Irgendwann hatten wir dann ein paar Ideen beisammen, und Sylvie beschloss, den Tag einfach auf sich zukommen zu lassen und ganz spontan etwas zu entwerfen.

Meine Idee erforderte einige Vorarbeit, denn ich benötigte ein Drahtgeflecht. Um am Samstag gleich mit dem Gipsen loslegen zu können, bog ich die Form zu Hause aus Hasendraht vor. Eigentlich sollte sie nur ganz klein und handlich werden – aber es kommt ja oft anders, als man denkt. Im Endeffekt wurde ungewollt aus dem "klein" ein "sehr groß" - was sich noch als Herausforderung darstellen sollte.

Gestern ging es dann endlich ans Gipsen. Ich ließ mir als absoluter Laie das Vorgehen erst einmal von Dani und Sylvie erklären, die bei ihrer Arbeit schon mit Gipsbinden gewerkelt haben. Wer wie ich keine Ahnung von diesem Material hat: Vor dem Vergnügen steht zunächst die Arbeit, denn die Gipsbinden müssen in kleine Stücke geschnitten werden.


Dann taucht man sie kurz in Wasser und legt sie Schicht für Schicht übereinander.


Wenn es jemanden unter uns gibt, auf den wir uns beim Thema Inspiration verlassen können, dann ist es Romina. Sie macht sich vor unseren Kreativtreffen immer Gedanken und bringt dann nicht nur eine Menge toller Ideen, sondern auch gleich das benötigte Material mit. So griffen die anderen begeistert einen ihrer Vorschläge auf. Ich hätte das auch zu gerne getan, aber ich hatte ja mein "project of the day", wie Romina es nannte.

Nun wurden hochkonzentriert Luftballons aufgeblasen und Gips aufgetragen. Vor lauter Konzentration legte sich sogar manches Mal Stille über den Raum - für uns höchst ungewöhnlich. Aber es ist schließlich auch nicht so einfach, einen gleichmäßig hohen Rand zu formen, gell? ;-) Und plötzlich wurde sogar über den Einsatz eines "Bobbel" nachgedacht. Was das ist? Ein Bobbel gehört zur Gattung der Knubbel - ein halbwegs runder, etwa 0,5 cm hoher Gipsklumpen, der eigentlich dazu dienen soll, Standfestigkeit zu verleihen ... sofern er auch hält. "Jetzt ist mein Bobbel ab!" war sicherlich der tragischste Ausruf an diesem Vormittag. Als wir jedoch feststellten, dass der Gipsgegenstand auch ohne Bobbel stehen bleibt, beruhigten sich die Gemüter wieder.
Mir dagegen bescheinigte man Akkordarbeit, und irgendwie beschlich mich das Gefühl, das zu beklebende Drahtgeflecht würde kein Ende nehmen.
Kann man schon erkennen, was hier alles entstand?

 
 
 
 
 


Die Wasserpfützen und Gipsstaubhäufchen auf dem Tisch, auf der Kleidung und am Boden wurden immer größer. Gipsen gehört eindeutig zu den Tätigkeiten, die ihre Spuren hinterlassen.

  

Easy warf immer wieder einen kritischen Blick auf unsere Arbeit, ob wir auch ja alles richtig machten, und motivierte uns im richtigen Augenblick.

   


Schließlich wuchs mit den Gegenständen auch unser Appetit. Bei so viel Konzentration brauchten wir nun ein wenig Bewegung und frische Luft. Wir entschieden uns für s'Häusle in Bulach - und wurden überrascht. Seit kurzem unter neuer Leitung wurde der Gastraum völlig renoviert und ansprechend gestaltet.


Nachdem wir uns in netter Atmosphäre bei gutem Essen gestärkt und gelernt hatten, dass Vogelbeeren wohl leicht nach Mandeln schmecken, riefen auch schon wieder die Gipsbinden nach uns.
Viele Gegenstände waren bereits getrocknet und konnten bemalt bzw. besprüht werden.

 
 
      
 

Für mich wurde Sylvie dankenswerterweise zur "Löcher-glatt-streich-Expertin" und "Zuviel-schwarze-Farbe-Entfernerin". In Teamarbeit geht es eben viel schneller voran.

 

Mithilfe der Luftballons hatten Romina, Sylvie, Yvonne und ihre Tochter Schalen für Teelichter gebastelt. Nach dem Auftragen der Gold- und Silberfarbe mit Spraydose bzw. Pinseln sahen die Schalen im Kerzenlicht ser, sehr edel aus.

 
 
 

Einen kleinen Engel mit goldenen Löckchen hat Romina aus ein wenig Gips, Draht und einer Styroporkugel gezaubert.


Dani hatte Masken gegipst und machte nun kleine Kunstwerke aus ihnen. Im nächsten Jahr steht eventuell ein Markt im Stil des venezianischen Karnevals auf unserem Programm - vielleicht kommt ja eine der Masken dort ja zum Einsatz.

   
 

Sylvie hatte versucht, ihre Hand einzugipsen. Sie aus dem Gips wieder herauszuziehen, ohne die echte oder gegipste Hand zu beschädigen, erwies sich zwar als etwas schwierig (aber sehr unterhaltsam für uns). Aber das silber-spacige Ergebnis konnte sich sehen lassen. 


Mein Ungetüm soll einen Drachenschädel darstellen – inspiriert von den Schädeln der großen Drachen der Vergangenheit aus "Game of Thrones". Im Vorfeld hatte ich ja schon die tollsten Ideen zum Thema "Pimp your dragon skull" erhalten - von Lichterketten im Inneren über glühende Augen bis hin zur Feuer speienden Apparatur. :-) Ich entschied mich aber für die schlichte Variante ganz ohne Technik.

   
Am Abend jedoch wurde es kompliziert. Der Drache war sehr feucht, sehr groß und sehr schwer. Wie sollten wir ihn ins Auto bringen? Taschen, Kisten - alles zu klein. Nachdem wir ihn endlich aus der Wohnung heraus hatten, konnte man drei Gestalten mit einem seltsamen Riesengebilde auf dem Arm durch die Nacht huschen sehen. Die Situation kam uns schon äußerst schräg vor, als wir im Taschenlampenlicht die Autositze umlegen mussten, da der Drache nicht in den Kofferraum passte. Ich versprach Dani und Sylvie, in Zukunft nur noch handliche Dracheneier zu gipsen.


Wie immer, wenn wir uns in der Gruppe an ein neues Material heranwagen, war es ein sehr lustiger Tag. So beschlossen wir auch gleich, im Spätherbst einen Reste-Verwertungs-Tag mit Gips und Filzwolle zu machen.


Und am Ende folgt, wie fast immer, noch ein kleiner Videoclip. Um ihn in besserer Qualität und größer ansehen zu können, klickt auf den Titel des Clips, so gelangt ihr zu Youtube und könnt die Qualität einstellen.




Einen schönen kreativen Sonntag

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen