Sonntag, 13. September 2015

Besichtigung der Burgruine Hohentwiel bei Singen inkl. Weiterfahrt nach Bodman-Ludwigshafen und Überlingen

Hallo liebe Einstig-Freunde!
Kaum haben wir den restlichen Gips von den Fingernägel abgekratzt, geht es auch schon weiter mit Aktivitäten rund um Einstig.
Dieses Wochenende stand wieder ganz im Zeichen der Vergangenheit - also auf zu "einstigen Zeiten" ...

Doch bevor wir losfuhren, gab es im Vorfeld schon viele Überlegungen.

1. Es war eigentlich gar nicht geplant zur Burgruine Hohentwiel zu fahren; ursprünglich standen die Heidenhöhlen in Stockach auf unserem Programm. Doch Sylvie und ich fuhren spontan während unseres Sommerurlaubs in Singen vorbei und schauten uns die Ruine von außen an (Bericht dazu siehe hier). Leider war die Burg noch geschlossen. Aber das, was wir alleine schon von außen sahen, faszinierte uns. So änderten wir unser Ziel: aus Stockach wurde Singen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

2. Bei der Terminwahl hatten wir leider nicht bedacht, dass gerade an diesem Wochenende die Sommerferien in Baden-Württemberg und Bayern waren. Überall wurde im Vorfeld vor dem Rückreiseverkehr gewarnt. Besonders um Karlsruhe, Stuttgart und Singen sollte der Verkehr stockend bis stehend sein. Hin und her überlegten wir, den Termin zu verschieben, um diesem Massenauflauf von Autos zu entgehen. Allerdings war gutes Wetter gemeldet und wir hatten den Termin freigehalten. Also stand bald fest: Wir wagen es! Als Anti-Stau-Stress-Therapie hatten wir uns überlegt, eine Tüte voller "besonderer" Süßigkeiten mitzunehmen. Denn nicht nur bei Kindern vergeht die Zeit schneller, wenn sie ein Ü-Ei auspacken.


Endlich war es soweit! Um 7.00 Uhr in der Frühe ging es los: von Karlsruhe im Jahr 2015 nach Singen ins Jahr 915.

Schon bei der Autobahnraststätte Hegau konnten wir einen Blick auf das Landschaftsgebiet des Hegau werfen. Während des zweiten Frühstücks schweifte der Blick immer wieder ab in die Ferne zu diesen Bergen.

Der Hohentwiel liegt in einem Gebiet,  das vor neun Millionen Jahren aus einer Vulkanlandschaft entstand. Als die Vulkane erkalteten, blieb der Hohentwiel wie ein Korken auf einer Flasche zurück. Dort wurde die Festungsburg errichtet.

Wir können uns glücklich schätzen, erst im Jahre 2015 die Burg zu besichtigen. Denn bis 1652 musste sich jeder Gast in ein Gästebuch eintragen - und dies in Reimform!
Sähe dann mein Blogbeitrag auch in etwa so aus?

Liebe Einstig-Freunde aus der Nähe und Ferne,
wir wollen Euch heute erzählen von der Hohentwiel gerne.
Zur Besichtigung reisten wir aus Karlsruhe an,
und verweilten einige Stunden dann.
Hohentwiel auf einem alten Vulkan gelegen,
ließ früher sicher die Umgebung erbeben.
Die Festungsburg wurde urkundlich erwähnt im Jahre 915 des Herrn,
und selbst die frühmittelalterlichen Herzoge des Landes hatten sie gern.
1538 wurde eine der sieben Landesfestungen daraus,
denn Herzog Ulrich von Württemberg baute sie aus.
Im 30-jährigen Krieg verteidigte Oberst Konrad Wiederholt die Anlage ganz alleine,
bei  fünf Belagerungen war er wacker auf den Beine'.
Im 18. Jahrhundert dienten die dicken Mauern ganz logischerweise,
als Gefängnis für politische Gegner - so endete dort manche Reise.
Am 1. Mai 1800 rückten die Franzosen unter Napoleon vor,
und stürmten das große steinerne Burgentor.
Sie sprengten die Burg in viele kleine Stücke,
so hatte diese zum Bewohnen zu viele Lücken. 
Zurück blieb eine unbewohnbare Ruine im Hegauer Land,
berühmt ist sie geblieben weit über Deutschlands Rand.
Über neun Hektar erstreckt sich die Burg stolz auf dem Berg,
jede andere Festungsanlage in Deutschland ist dagegen klein wie ein Zwerg.

Außerdem musste jeder, egal aus welchem Grund er die Burg aufsuchte (sei es auf der Flucht oder nur zu Besuch) bei den anfallenden Arbeiten mithelfen.

Schon auf dem Weg hinauf schauten wir uns immer wieder die malerische Landschaft an. Die Aussicht von der Festungsanlage über das Land war grandios! Leider versperrten uns zum Teil Nebelfelder die Weitsicht.

 
 

Der alte Friedhof, der unterhalb der Anlage liegt, ist ein Kleinod. Manch ein Besucher geht an dem geschlossenen Holztor achtlos vorbei - nicht ahnend, was sich dahinter verbirgt. Die Sonne kam gerade zwischen den Bäumen hervor und tauchte den alten Friedhof mit den überwucherten Gräbern in ein Zwielicht, das eine unvergleichliche, friedvolle Stimmung hervorrief.

   

Bevor man die eigentliche Ruine Hohentwiel betritt, muss man mehrere Holzbrücken, dunkle Tunnel mit geheimnisvollen Schächten in der Decke und steile Wege erklimmen.
Während dieses beschwerlichen Weges wird einem klar, warum die Festung in ihrer ganzen Geschichte nie eingenommen wurde. Sie trotzt mit ihren dicken Mauern auf dem Berg jeder Gefahr.
Die Burg- und Festungsanlage erstreckt sich über ein sehr weitläufiges Gebiet. Hohe Mauern wechseln ab mit freien Plätzen, die zum Picknick einladen. Von manchen Räumlichkeiten ist nur eine Seitenmauer stehengeblieben, und überall schauen leere Fensteröffnungen auf die Besucher herab.

 

Im 18. Jahrhundert diente Hohentwiel auch als Gefängnis. Manch einer wurde z. B. aufgrund einer Intrige hier eingesperrt, und nach 30 Jahren Gefangenschaft ist es nur zu verständlich, dass manch Gefangener auch den Verstand verlor.



Zunächst war uns nicht ganz klar, warum am Eingang ein Hinweisschild auf die Gefahren aufmerksam macht.

Dies änderte sich, als wir ein dunkles Kellergewölbe betraten.
Die Stützbalken sahen nicht sehr vertrauenderweckend aus  - waren wir gar von einem gekennzeichneten Weg abgekommen?
Nein, der Weg war offiziell frei und zugänglich.
Wir vertrauten den zuständigen Architekten und Burgverwaltern und gingen die Stufen hinunter in die Dunkelheit.

Dennoch achteten wir peinlich genau darauf, dass wir genügend Abstand zu den Balken einhielten und sich Easys Leine auch nicht um diese Konstruktion wickelte.


Apropos Easy ... unser kleiner Einstig-Hund fand die Festungsanlage genau so spannend wie wir. Aufgeregt wusstelte sie durch die Anlage (in der Leinenpflicht war) und schaute sich alles genau an. Und während ich fleißig die ersten Fotos bei Facebook online stellte und abgelenkt war, nutzte Easy dies schamlos aus, um mich zu fesseln.


Die ganze Pracht der Festungsanlage lässt sich am ehesten erahnen, wenn man sich über die dicken Mauern beugt und  nach unten schaut.


Wir waren um kurz nach 9 Uhr auf der Hohentwiel und blieben ca. 1 1/2 Stunden dort. Als wir gingen, merkten wir, dass ab 11 Uhr zahlreiche Besucher  die Burg eroberten. Es wurde zunehmend voller. Wir waren froh, dass wir unsere Rundtour schon beendet hatten und so tolle, einsame und  stimmungvolle Fotos schießen konnten.


Nachdem wir die Burg erforscht hatten, ging die Reise weiter. Denn wenn man schon von der Burg aus in weiter Ferne (durch den Nebel) den Bodensee erahnen konnte, so wollten wir auch den Anblick ganz aus der Nähe genießen.
Wir fuhren weiter nach Bodmann-Ludwigshafen.


Kurz zur Erklärung: Bodman-Ludwigshafen besteht aus den zwei Orten Bodman und Ludwigshafen.
Bodman hat dabei die ältere Geschichte vorzuweisen. Funde von Pfahlbauten zeugen noch heute von seinem Bestehen in der Stein- und Bronzezeit. Somit ist Bodman eine der ältesten Siedlungen am Bodensee.


Bereits  als „Sernatingen“ wurde Ludwigshafen im Jahre 1145 urkundlich erwähnt.
95 Mark ... Nicht viel Geld für einen ganzen Ort ... jedenfalls wenn man die Zahl in der heutigen Zeit hört! Doch 1294 war dies der Preis für Ludwigshafen, als es an Überlingen verkauft wurde!
Bei der Einweihung des neu erbauten Hafens (1826) erhielt dieser von Großherzog Ludwig von Baden den Namen „Ludwigshafen“. Kurz darauf wurde der Name des Hafens  auf die gesamte Gemarkung ausgedehnt, und der Ort Sernatingen wurde in Ludwigshafen umbenannt. Somit waren die damaligen Sernatinger plötzlich Ludwigshafener!
Dies ist natürlich längst Geschichte, und seit 1975 gehen diese zwei ehemals getrennten Orte Bodman und Ludwigshafen ihren gemeinsamen Weg. Noch heute erinnern im Hafen ein alter Kran und am Zollhaus ein Relief von Peter Lenk an diese Vergangenheit von Ludwigshafen ehem. Sernatingen.

 

Wir besuchten nur den Ludwigshafener Teil, da er näher auf unserem Weg lag.
Ein Restaurant zum Mittagessen war schnell gefunden. Direkt mit Blick auf den See haben wir unsere Mahlzeit genossen.

 

Dann streiften wir noch etwas durch die Straßen und an der Uferpromenade des Ortes entlang.

 


Überall zeugten kleine Relikte von der Vergangenheit.
Eine große Lastenwage hatte es uns besonders angetan. Sie stand in einer alten Scheune, in der man sich von frischen Bodenseeäpfeln bedienen konnte.

Sicher lag es an der falschen Einstellung der Waage, dass wir mit dem Gewicht nicht zufrieden waren!
Evtl. hätte es auch an Easy, unseren schweren Rucksäcken oder dem reichhaltigen Mittagessen liegen können.
 

Doch leider war es damit schon an Sehenswürdigkeiten in Ludwigshafen getan. Der Ort ist ein herrlich ruhiges Nest, um sich zu erholen - aber uns verlangte es nach "mehr". Mehr See und noch mehr Sehenswürdigkeiten. So fuhren wir ganz spontan weiter nach Überlingen.
Überlingen kannten Sylvie und ich schon, und wir wussten um die historische Festungsanlage, Aussichtspunkte und Shoppingmöglichkeiten.
Im Vergleich zu der Einwohnerzahl von Bodman-Ludwigshafen (im Dezember 2008 betrug diese 4.432) ist Überlingen dann doch eine etwas größere Stadt. Waren  im gleichen Zeitraum doch stolze 21.588 Einwohner mit Hauptwohnsitz dort gemeldet.

Überlingen wurde 770 erstmals urkundlich erwähnt und war von 1268 bis 1802 Reichsstadt. Wir machten uns sogleich auf den Weg, die Festungsmauer zu erkunden. Um 1250 wurde der vorherige Wall durch eine Mauer aus Stein ersetzt. Von 1300 bis 1630 wurde erst der innere Mauerring, danach auch der äußere Mauerring erbaut.


Erklimmt man in einem kleinen Park die steilen Stufen, gelangt man zu einem tollen Aussichtspunkt: einem Pavillon. Von dort hat man eine wundervolle Aussicht über den See und die Stadt. Auch die Festungsmauern und Türme sind von hier aus eindrucksvoll zu bestaunen.

 
 
 

Durch ein winziges Wäldchen mit einer urigen Kapelle liefen wir über verschlungene Wege entlang der Festungsmauer, vorbei an Türmchen und Stadttoren, zurück in die Innenstadt.

 

Wohin wir auch schauten, überall zeigten sich tolle Fotomotive.


In der Innenstadt von Überlingen kommt man unweigerlich am Überlinger Münster St. Nikolaus vorbei.


   

Die fünfschiffige Basilika wurde zwischen 1350 und 1576 im Stil der Spätgothik erbaut.


Zur Besonderheit zählen die insgesamt 14 Altäre, die in dem Münster zu sehen sind. Sie sind alle aus Holz geschnitzte Meisterwerke, die im Zeitraum vom 15. - 19. Jahrhundert entstanden. Mit viel liebe zum Detail wurden sie gestaltet und bergen unzählige Feinheiten und Figuren, welche einem erst bei näherem Betrachten auffallen.

 


Nach so viel Kultur war es an der Zeit in die Moderne zurückzukehren. So liefen wir die Fußgängerzone entlang und schauten uns die zum Teil doch recht urigen Läden an.

In einem Café am Seeufer sitzend, den Touristen und Booten zuschauend und dabei ein Eis genießend ließen wir den Tag Revue passieren.

Der See glitzerte in der Sonne und rief in uns Sommer- und Feriengefühle wach. Wie gerne wären wir an diese Ort noch länger verweilt.

Welch eine Wohltat.

 
 

Doch es war unweigerlich an der Zeit den Heimweg anzutreten.

Die snfangs gestellte Frage "Werden wir im Rückreiseverkehr stehen?" kam wieder auf. Sylvie lenkte das kleine currywurstsoßenrote "Einstig-Mobil" in Richtung Autobahn - und wir harrten der Dinge, die da vor uns waren bzw standen ...

Wir passierten eine Baustelle nach der anderen - doch kein Stau in Sicht. Wir ließen Singen, Stuttgart, Leonberg und Pforzheim hinter uns - in einem rasendem Tempo. Ohne Stau. Im Gegenteil - es war gerade zu gespenstisch wenig los.


Um uns den "kein Stau = keine Süßigkeiten-Frust" während der Fahrt zu erleichtern, erfanden wir Gedichte, Laudine  saß "einfach nur im Auto rum" und wir schauten Youtube-Clips von einer Tanzeinlage, die an die 20er Jahre angelehnt ist (Weiterleitung zum Youtube-Clip hier klicken) ...

Kurz vor Karlsruhe meldete das Navi dann doch endlich einen Stau! Ganze 1 km lang und  mit einer Zeitverzögerung von 3 Minuten wäre zu rechnen. Wir begannen auch fleißig zu rechnen: Drei Minuten für zwei Taschen Süßigkeiten - dies geteilt durch drei Personen inkl. der Zeit, um die Tüten aufzureißen ... ist das überhaupt zu schaffen?

Doch die Ernüchterung machte sich schnell breit,  als wir merkten, dass wir ja die letzten Meter des Weges nicht der Naviroute folgen, sondern eine Ausfahrt später nehmen würden. Somit war es nichts mit Stau. So kamen wir zu Hause an und schleppten die Süßigkeiten wieder in die Wohnung zurück.

Doch wir sind uns sicher, die nächste Einstig-Aktivität kommt schon bald! Und dann sind wir bestens ausgestattet!

Es war ein wundervoller und kurzweiliger Tag. Es hat einfach alles gepasst!


Sylvie hat einen tollen Videoclip von unserem Ausflug zusammengestellt. Lehnt Euch zurück und genießt den kleinen Videobeitrag. Wer ihn in besserer Qualität (oder größer) sehen mag, klickt einfach auf den weißen Titel und stellt dann am Zahnrädchen die Einstellungen entsprechend ein.


Mehr Fotos gibt es in unserem Forum-Archiv im "Hohentwiel-Thread".

So, und bevor ich diesen Blogbeitrag beende, möchte ich Euch noch auf unsere kommenden Aktivitäten hinweisen. Ihr könnt Euch jederzeit gerne anschließen. Einfach uns kurz vorher kontaktieren.

 19.09.2015: Kostümversteigerung, Badisches Staatstheater

10.10.2015: Herbstwanderung, Bindersbach

24.10.2015: Draisinenfahrt, Bornheim/Landau

21.11.2015: Weihnachtliches Basteln, Karlsruhe

Alles Liebe

Die Infos zur Burgruine Hohentwiel haben wir folgenden externen Seiten entnommen:
http://www.festungsruine-hohentwiel.de/start/
https://de.wikipedia.org/wiki/Festung_Hohentwiel

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nikolaus_%28%C3%9Cberlingen%29

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