Dienstag, 28. Juli 2015

Eine Tradition lebt weiter: Das Richard-Löwenherz-Fest in Annweiler am Trifels

Wir grüßen Euch, ihr Bauersleute, fahrendes Volk und Edelfrauen!

Es war wieder soweit! Der Mittelaltermarkt in Annweiler am Trifels fand statt - und wir mittendrin.
Für uns ist es schon zu einer kleinen Tradition geworden, jedes Jahr auf das "Richard-Löwenherz-Fest" in der Pfalz zu gehen!

Nachdem wir letztes Jahr etwas Pech mit dem Wetter hatten (siehe dazu den Bericht von 2014: 26.07.2014 - Von Richard, Thor und dem Regengott: Das Richard-Löwenherz-Fest), hofften wir inständig, dass es dieses Mal besser sein würde.

 

Aber nicht nur auf das Wetter waren wir gespannt, sondern auch auf das Fest an sich. Es war das offiziell 11. Richard-Löwenherz-Fest , aber es fand unter einer neuen Leitung statt.
Laut Anzeige im Wochenblatt sollte uns wieder ein ganz besonderes Fest geboten werden: "Über 80 Austeller, Stände und Akteure ... so viele waren noch nie da ...", konnte man in der Zeitung lesen. Na da sollte Annweiler ja was zu bieten haben.
   
Apropos Annweiler ... War jemand von Euch auch schon einmal in der kleinen Stadt in der Pfalz? Wenn nicht, können wir es als kleinen Reisetipp nur empfehlen (siehe dazu >> hier). 
Annweiler ist nach Speyer die zweitälteste Stadt in der Pfalz. Die erste Nennung geht bis ins Jahr 1086 zurück, die Gründung aber liegt wohl im 7. oder 9. Jahrhundert. Heute noch kann man in Annweiler viele alte Fachwerkhäuser sehen. Auch ein Teil der Stadtmauer ist noch erhalten geblieben.


Seinen Zusatz "am Trifels" verdankt Annweiler  der Burg-Dreifaltigkeit: Trifels, Anebos und Münz. Diese galten im Mittelalter als sicherste Burganlage im ganzen Kaiserreich. Da ist es nicht verwunderlich, dass auf dem Trifels die Reichsinsignien (von 1125 bis 1298) aufbewahrt wurden. Heute noch kann man Nachbildungen von Krone, Reichsapfel, Kreuz und Zepter auf dem Trifels bewundern.

 
 

Noch aus einem anderen Grunde ist Annweiler am Trifels oft über die Landesgrenze hinaus bekannt. Denn im Trifels wurde der berühmte englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten.  Richard Löwenherz war auf dem Rückweg von einem Kreuzzug von Leopold von Österreich gefangen genommen worden. Dieser übergab ihn an Heinrich VI. Bis ein Lösegeld bezahlt wurde, musste der König auf dem Trifels ausharren.
Viele Legenden und Sagen ranken sich um diese Gefangenschaft. Besonders die Sage um Blondel, den treuen Minnesänger von Richard Löwenherz, ist bekannt. Er soll von Burg zu Burg gezogen sein, um herauszufinden, wo sein Herr gefangen gehalten wurde. Dazu stimmte er immer ein Lied an. Unterm Trifels erklang dann die zweite Strophe des Liedes aus dem Kerker heraus. So wusste Blondel, wo sein König war.
Das Lösegeld des englischen Königs betrug 23 Tonnen Silber, welches von hunderten Eseln den steilen Berghang des Trifels hinaufgetragen wurden.
Heute erinnert noch viel in Annweiler und der Umgebung an Richard Löwenherz. So gibt es zum Beispiel einen eigenen Wanderweg, welcher nach dem König benannt wurde ( >> siehe hier ); und auch einen Brunnen, der dem treuen Minnesänger gewidmet ist.

 

Nun dürfte Euch auch klar sein, warum  der Mittelaltermarkt "Richard-Löwenherz-Fest" heißt; hatte der König doch eine wichtige Bedeutung in der Geschichte von Annweiler.

Aber zurück zum eigentlichen Grund dieses Blogbeitrages ...
Am Samstag früh trafen wir uns alle im Hause der Zwillinge. Die passenden Gewandungen und Accessoires wurden noch zusammengetragen, und dann ging es los. Das Auto war bis auf den letzten Platz voll besetzt, die Stimmung war ausgelassen, und so rollten wir Richtung Pfalz.


Noch während der Autofahrt schauten wir immer wieder gen Himmel hinauf, was denn der Wettergott dieses Mal für uns bereithalten würde. Es war zwar stark bewölkt und windig, aber sooo schlimm sah es gar nicht aus (zu diesem Zeitpunkt jedenfalls).

Zuerst ging es zum Haus der Salmons in Bindersbach (ein kleiner Vorort von Annweiler). Dort angekommen bewunderten wir den Garten, erfrischten uns noch etwas und zogen unsere Gewandungen an.


Jetzt waren wir bereit, ins Mittelalter einzutauchen. Es ging in das 2 km entfernte Annweiler. Wir nutzten die kostenlosen Parkplätze an der Markward-Anlage und liefen (bei Sonnenschein!) den kurzen Weg Richtung Stadtmitte.


Nachdem wir die Einlassgebühr (Gewandete 3,00 Euro) bezahlt hatten, schlenderten wir die Stände entlang. Und es dauerte nicht lange, bis zwei Ereignisse uns einholten: zum einen die unbegrenzte Kauflust, und zum anderen das unberechenbare Wetter an diesem Tag.

 
 

Nach dem ersten kurzen Regenschauer (einer von vielen an diesem Tag) waren wir rechtzeitig zur Stelle, um der Markteröffnung mit seiner Hoheit "König Richard Löwenherz" und seinem Gefolge beizuwohnen. Wir übten "Jubel", "Handgeklapper" und die perfekte Verbeugung, und beherrschten dies dann auch schon sehr gut. Dafür wurden wir mit der Erklärung belohnt, warum es denn heute überall so nass sei. Nun ja, der Regen sollte nur dazu dienen, die Annweilerer Straßen reinzuwaschen und zu säubern! Ahhh ja ... gute Erklärung - aber wir wären auch durch schmutzige Straßen gewandelt und hätten auf das Nass von oben gerne verzichtet.


Neben seiner königlichen Hoheit Richard Löwenherz waren auch weitere wichtige Persönlichkeiten anwesend. Unter anderem die Kastanienprinzessin, die Schlafwandlerin, Nils der Gaukler, die Tanzgruppe Faux Pas, das Duo Jomamakü, die Pfalzritter, das Drachenvolk Lidenfels, Musica Canora, das Puppentheater Windrunkel, die Herrenlosen, Chnutz vom Hopfen ...

Die kurze trockene Phase während der Markteröffnung nutzten wir, um noch unsere Mägen zu füllen, und dann ging es auch  schon weiter ... weiter mit Bummeln und weiter mit Regenschauern.


Wir ließen uns in den ersten zwei Stunden von dem Aprilwetter nicht die Stimmung verderben und besuchten die  Handwerker und Aussteller des Marktes. Wir stöberten und entdeckten immer wieder Neuigkeiten und Begehrenswertes. Manche Stände erkannten wir aus den vergangenen Jahren wieder - andere boten Überraschungen für uns.
Manch einer freundete sich gar mit einem kleinen Drachen an.

 

   
 
   
  
 

Als wir den "Baumstriezel"-Stand entdeckten, gab es kein Halten mehr. Dieses leckere Süßgebäck haben wir bei verschiedenen Mittelaltermarkt-Besuchen kennen und lieben gelernt! Mit Zimt und Zucker ist dieses Teiggebäck in Rollenform eine Leckerei, die wir uns nicht entgehen lassen konnten.


Das Flair in Annweiler, die Fachwerkhäuser, die Wassergasse und die Queich passen einfach wunderbar zu einem Mittelaltermarkt. Auf dem Marktplatz vor dem großen Turm der Stadtkirche konnten wir den mittelalterlichen Tänzen von Faux Pas und dem Gaukler zuschauen und dabei Cidre trinken. Direkt an der Queich saßen wir (kurz bevor uns ein erneuter Regenschauer vertrieb) und haben gemütlich Eis, Drachenbowle und Kuchen gegessen.

 
 

Auf dem weiterem Weg durch die mittelalterlichen Gassen trafen wir die Lager der verschiedenen Gruppen und wurden zu einem verführerischen und magischen Erbsenspiel eingeladen.

 

Als wir erneut vor einem Regenschauer flüchten mussten, reifte die Erkenntnis, dass 3 1/2 Stunden mittelalterlicher Regen genauso nass und kalt ist wie der Regen in der heutigen Zeit. Wir brauchten eine Aufwärmung. Zum Glück kannten wir eine dorfbekannte Kräuterfrau, welche uns zu einem warmen Tee einlud.
So rafften wir die Gewänder und begaben uns zurück zu unseren Metallkutschen.


Wir fuhren zurück ins Hause Salmon. Dort servierte uns Brigitte ihren Haustee: selbst gepflückt und zusammengestellt aus den verschiedensten Kräutern. Er verlieh uns wieder Wärme, und bei dem gemütlichen Plausch kroch die Müdigkeit in unsere Körper. Gerne wären wir einfach sitzen geblieben und hätten weiter verweilt. Aber die Zeit war nun doch schon sehr vorangeschritten und so nahte der Abschied.


Mit schweren Taschen voller Drachenglut, Striezeln, Filzkunstwerken und Co. brachen wir auf. Doch auch noch  in Karlsruhe erinnerten uns der langsam verblassende, grüne Einlassstempel und die nassen Gewänder und Schuhe an die schönen Stunden in Annweiler und Bindersbach.
Auch wenn das Wetter nicht so mitgespielt hatte wie erhofft, es hätte auch schlimmer sein können! Uns blieben Dauerregen und die Absage des Festes durch Unwetterwarnung erspart. So waren wir glücklicher dran als manch andere Festivalbesucher in der Umgebung.

Auch nächstes Jahr werden wir wieder dabei sein beim 12. Richard-Löwenherz-Fest - sofern es denn stattfinden soll (man munkelt, dass dies das letzte Jahr gewesen sei, in dem Annweiler solch einen großartigen Markt ausgerichtet hat).
Wir wären 2016 auf jeden Fall wieder dabei - bei jedem Wetter! Denn kein noch so schlechtes Wetter kann uns abhalten, diesen historischen Markt, mit so viel Liebe zum Detail, zu besuchen. Schließlich haben sich die Veranstalter, Schausteller und Handwerker die größten Mühen gegeben uns zufriedenzustellen. Und das ist ihnen wahrlich gelungen! Danke!

Sylvie hat es mal wieder geschafft, und den ganzen Tag in einen tollen Videoclip zu bannen.
Wer sich das Video in besserer Qualität ansehen mag, klickt einfach auf den weißen Titel und kommt direkt zu Youtube. Dort kann man (am Zahnrädchen) die Qualität erhöhen.



Und wer immer noch nicht genug hat, der kann sich weitere Fotos in unserem Forum-Archiv anschauen  >> hier klicken <<.

Liebe Einstig-Freunde, nun ist es soweit.
Wir verabschieden uns in die "Sommerpause". So lange ist die Pause eigentlich gar nicht. Am 05.09. sind wir ja schon wieder da! Und dann geht es Schlag auf Schlag weiter mit den Terminen.
Vielleicht ist ja auch etwas für Dich dabei und Du magst dabei sein? Keine Scheu, melde Dich einfach bei uns!

10.10.2015: Herbstwanderung, Bindersbach
24.10.2015: Draisinenfahrt, Bornheim/Landau

Wir wünschen Euch allen einen schönen, freundlichen Sommer, und kommt gut durch den Monat!

Quellen:
http://www.bindersbach.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Blondelsage
https://de.wikipedia.org/wiki/Annweiler_am_Trifels
http://www.lha-rlp.de/index.php?id=385
https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_L%C3%B6wenherz
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