Sonntag, 12. April 2015

Hinauf auf die Burg, hinab an den See - ein Tag IN Meersburg und AUF der Meersburg

Gestern ging es an den See. Hier in der Gegend gibt es viele schöne Seen, die sich bestens für einen Spaziergang oder ein Fotoshooting in Kostümen eignen. Aber dieses Mal wollten wir es ein wenig größer: der Bodensee sollte es sein! Genauer gesagt: Wir fuhren nach Meersburg, um die dortige gleichnamige Burg zu besichtigen - und um diesen besonderen Tag auch besonders zu genießen. Denn "Einstig" wurde ein Jahr alt! So machten wir uns in aller Frühe auf den Weg – vier Personen und zwei Hunde. Drei von uns (die Personen, nicht die Hunde :-)) waren Bodensee-Experten und schon viele Male dort. Somit kannten Sie auch die Fahrt nach Meersburg in- und auswendig. Halt machten wir an einem Rasthof mit toller Aussicht auf eine ehemalige Vulkanlandschaft. Wir ließen uns das Frühstück schmecken und warfen einen Blick in die Autobahnkirche. Zurück im Auto sahen wir schon bald unter uns den Bodensee.

Dort angekommen schlugen uns die Betreiber des Hauses Seegarten - dem „Stammhotel“ von Dani und Sylvie – liebenswürdigerweise vor, kostenfrei bei Ihnen vor dem Haus zu parken – unser erstes schönes Erlebnis in Meersburg.

 
 
 
 

Unser Ziel war zunächst einmal die Meersburg. Bei Sonnenschein (dies sollte sich leider bald ändern) stiegen wir hinauf zur Burg ...


 ... und machten einen Zwischenstopp bei der Schlossmühle. Diese fand erstmals Anfang des 15. Jahrhunderts Erwähnung, die jetzige Mühle mit dem großen Wasserrad (fast 8 Meter Durchmesser) stammt jedoch aus dem 17. Jahrhundert. Schon mit einem einzigen Eimer Wasser kann das Rad in Bewegung gesetzt werden.

   
  

Oben auf der Burg angekommen erfuhren wir von einem Plakat unser besonderes Glück: Die Gruppe „Ulmer Aufgebot 1475“ sorgte an diesem Tag für eine Burgbelebung, das heißt, sie „lebten“ in historischer Gewandung auf der Burg und sorgten für einen besonders lebendige Vermittlung des damaligen Burglebens. So erwartete uns schon vor der Zugbrücke ein kleiner gewandeter Recke, der sich um unsere Eintrittskarten kümmerte.
  
 

 Burg Meersburg, auch als „Altes Schloss“ bekannt, ist die  älteste bewohnte Burg Deutschland und reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück. Das „Neue Schloss“ ist ein im 18. Jahrhundert ihr gegenüber erbauter Gebäudekomplex. Einer Sage zufolge soll der Merowingerkönig Dagobert I. im 7. Jahrhundert den Grundstein für die Meersburg gelegt haben. Auch Chroniken untermauern die Erbauung der Burg im 7. Jahrhundert. Hat die Burg schon von außen eine ganz besondere Ausstrahlung, ist sie von innen mit ihren zahlreichen detailverliebten Einrichtungsgegenständen und den vielen ganz unterschiedlichen Räumlichkeiten ganz besonders spannend. Ein Besuch der Meersburg lohnt sich!


Da Fotos anschaulicher von einer Burg erzählen als lange Texte, folgt nun ein kleiner bebilderter Rundgang:
Der Torbau mit der Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert; Was dort von der Decke herabhängt sind Lederbeutel, die zum Feuerlöschen dienten.

  

Die Dürnitz, einer der ältesten Burgräume – erst Versammlungsort, dann Raum für die Burgwache:


Im Treppenhaus von 1710 hat mit dem Drehkreuz moderne Technik Einzug gehalten.

 

Das Hauptwohngebäude, der Palas, stammt aus der Zeit um 1300. An den Wänden hängen Kopien von Abbildungen aus der Manesse-Handschrift. Nur der Kachelofen ist jünger, er stammt aus dem 17. Jahrhundert.

 

Ein Wohnraum aus dem Ende des 15. Jahrhundert ...

 
 

… und einer aus dem 17. Jahrhundert:

 

Die Burgküche grenzt an den Palas und zeigt unter anderem eine alte Feuerstelle.

 

Früher reichte der Burgbrunnen aus dem 14. Jahrhundert bis auf den Seespiegel hinab, ist heute aber immer noch 28 Meter tief.

 

Das Schlafgemach des Burgvogtes aus dem 17. Jahrhundert:

 


In der Waffenhalle kann man Rüstungen und Waffen aus dem 16. Und 17. Jahrhundert bestaunen. Manche Waffen waren seeeehr groß …

 
 

Der Anblick, der sich uns bot, als wir unvermittelt in den Garten hinaustragen, war zauberhaft. Obwohl noch nicht wirklich viel blühte und grünte, wirkte der stille Garten mit der wunderbaren Aussicht auf den See richtig sehr, sehr schön.

   
 

Das sogenannte „Lockvogelhaus“ – hier wurden kleine Vögel in Käfigen gehalten, die bei der Jagd auf größere Vögel wortwörtlich als Lockvögel dienten.


Die Badewannen und Wandbemalungen stammten aus dem 19. Jahrhundert, da die Badestube zu dieser Zeit von den Bewohnern der Burg noch genutzt wurde.


Auf Burg Meersburg lebte zeitweilig die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff bei ihrem Schwager Freiherr Joseph von Laßberg. Dort starb sie auch am 24. Mai 1848. Ihr Sterbezimmer, ein sogenanntes „Droste-Gedächtniszimmer“, ihr Arbeitszimmer sowie einen Raum mit Originalausgaben kann man besichtigen.

   
   
 

In der Waffenschmiede beeindruckte uns der riesige Blasebalg zum Feuermachen.


Das Plumsklo ;-) - mit sehr praktischem Lüftungsschacht über der Sitzbank:



In der Backstube verdeutlichten eine Puppe und zahlreiche Brot-Attrappen die dortige Arbeit.


In der Zisterne, dem sogenannten „Christus-Brunnen“, wurde Regenwasser gesammelt. Ein wenig ungewöhnlich mutete uns an, dass dort bei Festlichkeiten Wein für die Armen floss.


Im Rittersaal veranschaulichten uns Mitglieder der Gruppe „Ulmer Aufgebot 1475“ das damalige Leben auf der Burg und sorgten mit ihren historischen Gewandungen für Farbtupfer in dem schlichten Raum.



In der Burgkapelle war es so eisig, dass wir uns einen Gottesdienst dort kaum vorstellen wollten.


Im Fürstensaal aus dem 16. Jahrhundert weckten vor allem eine Truhe mit einem komplizierten Schließmechanismus und Geheimfach sowie eine Sänfte unsere Neugierde.
 

Das „Angstloch“ im Burgverließ beeindruckte uns sehr. Dort hindurch wurden die Gefangenen an einem Seil ins Verließ hinabgelassen, und so mancher verhungerte dort unten. Also kein Wunder, woher das Loch seinen Namen erhielt. Sehr interessant waren die Fotografien von Zeichnungen, Texten und Kalendereinträgen, die Gefangene unten im Verließ an den Wänden hinterließen.

 

 

Bei den zum Teil übermächtigen Verzierungen auf den Helmen vom 13. Bis zum 16. Jahrhundert konnten wir uns kaum vorstellen, wie jemand sie tragen  konnte.

 

Im Stall weckte ein Gang, der bis zum Bodensee hinab führt, unser Interesse. Zu gerne wären wir einmal hineingestiegen …

 

Nach diesem äußerst interessanten Rundgang erwartete uns draußen wieder die Gegenwart in Form diverser Geschäfte. Wir sahen uns ein wenig um, bis sich der Hunger bemerkbar machte. Da sich unsere kleine Gruppe noch um zwei Freunde vergrößern sollte, besuchten wir die Magische Säule, hielten das einjährige Einstig-Jubiläum bildlich fest und suchten bis zur Ankunft ihrer Fähre schon einmal nach dem passenden Lokal auf der Uferpromenade.


 
   
 

Die Auswahl war groß, weshalb wir uns letztendlich auf gut Glück für ein Lokal entschieden. Endlich konnten wir uns ein wenig aufwärmen und stärken – für einen Spaziergang durch die Weinberge. Die leichte Brise war zwischenzeitlich zu Windböen geworden, was uns jedoch nicht davon abhielt, die schöne Aussicht hinab auf den Bodensee zu genießen.

 

Durch das Obere Tor (um 1300 erbaut) in der Oberstadt angekommen, bestaunten wir die bunten, detailreichen alten Häuser in ihren ganz unterschiedlichen Baustilen.

 
 
 

Vor der Burg machten wir noch einmal kurz Halt, um das besondere Flair und den tollen Anblick auf die Burganlage zu genießen.

 

Anschließend machten wir noch einen Abstecher ins „Neue Schloss“ – diesmal aber nicht der Kultur wegen, sondern um Kaffee zu trinken. :-)

 

Als wir uns auf den Weg hinab in die Unterstadt machten, schlug das Wetter leider endgültig um und es begann zu regnen. Damit wurde aus unserem Plan, uns noch mit einem Eis gemütlich an den See zu setzen, leider nichts mehr.

 
Nichtsdestotrotz hatten wir so spaßige, interessante und lehrreiche Stunden in Meersburg verbracht, dass wir rundum zufrieden nach Hause aufbrachen.


Der Tag am Bodensee war so schön, dass wir planen, uns im Sommer die dortigen Pfahlbauten anzusehen.


Wenn ihr folgenden Videoclip in einer besseren Qualität sehen wollt, klickt den Titel an... ansonsten wünschen wir Euch viel Spaß mit unserem kleinen Zusammenschnitt:


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