Samstag, 27. September 2014

Ein Rittermahl mit Kerzen, Gauklern und viel Gelächter

Seyd gegrüßt Ihr Reisende von nah und fern,
so lauschet der neusten Sage von Edelfrauen, einem Ritter und deren Magd, welche sich hat zugetragen vor einer Nacht.
Wohl beschwingt und frohen Mutes schwangen sich die Edeldamen mit ihrer Magd auf die holden, blechernen Rösser und trabten vom entfernten Karlesruhe in die kleine Ortschaft am Bächlein Queich, um dort zu speisen als sey es ihr letztes Mahl.
Doch nun lasset uns die Sprache wechseln, welche zum besserem Verstehen des gemeinen Fußvolkes an die Sprache der Zukunft angeschmiegt sei.

Ähm, oki, das oben waren wohl die Nachwehen von gestern Abend - ein langer Abend, bei dem wir erst nach Mitternacht nach Hause kamen. Aber auch die Nachwehen eines tollen, kurzweiligen Abends, an den wir uns noch lange, mit einem Lächeln im Gesicht, erinnern werden.

In der Gaststätte Fronhof in Queichhambach/Annweiler findet jeweils am letzten Freitag des Monats ein Rittermahl statt. Und dieses Mal waren wir mit dabei. Keiner von uns hatte eine Ahnung, wie der Abend verlaufen würde, und so stieg die Spannung und Vorfreude mit jeder Minute.

Zur Begrüßung wurden uns die Hände mit warmem Wasser gewaschen, und wir wurden in das Kellergewölbe des Wirtshauses geführt. Dort  standen schon Tische mit Getränken und flackernden Kerzen bereit. Gerade diese Kerzen sollten noch eine zentrale Rolle im Laufe des Abends spielen.

 

Wir nahmen Platz und freuten uns sehr, als sich noch mehr Gewandete zu uns an den Tisch gesellten. Leider waren nicht alle Teilnehmer des Rittermahls gewandet. Und so konnte man von Trachtenbekleidung über Hemd und Krawatte bis hin zu gewöhnlicher Alltagskleidung alles in dem Kellergewölbe sehen. Manche Gäste hatten aber auch ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und sich selbst Kostüme gebastelt. Es war eine bunt gemischte Runde.

 

Zum Einstieg gab es Fladenbrot mit Schmalz, Wein, Bier, Met, Saft und Wasser. Die Getränke wurden den ganzen Abend kostenlos nachgereicht.

 

Und während wir uns durch die edlen Gebräue probierten, traten schon die Gaukler "Dosus" und "Öffnus" auf. Sie führten im Laufe des Abends, immer wieder kleine Kunststücke, Zaubereien und Jonglierkünste vor. Auch die Geschichte von Arthus und dem Schwert Excalibur wurde uns verbildlicht (und nicht ganz ernst gemeint) dargestellt.


Nach der ersten Vorspeise ging es weiter mit "Herrgottsbscheißerle" (Maultaschen) in Brühe, welche von kleinen Tellerchen gelöffelt und geschlürft wurden. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde allen klar: Es wird ein spaßiger Abend werden!



Auch die nächste Runde Essen hatte es in sich: Eine "Subn von Knowloch" (Knoblauchsuppe in einem Brotlaib) wurde uns gereicht.

 

Und wem da danach die Gelüste nach etwas "Gesundem" standen, konnte sich an "Allerley Gemuossalat mit Salvan-Drottem" (Gemüsesalat mit Salbeibrot) bedienen. Manch einer fing da schon an zu verzweifeln, und die Frage kam auf: Wie bekommt man Bohnen auf einen Löffel, ohne dass sie ständig herunterrutschen?

  

Und während uns die Gaukler wieder unterhielten und uns aufforderten, bei den Balladen mitzusingen, wurde schon der Hauptgang aufgetischt.
Allerlei Fleischspeisen wurden aufgetragen und auf einem Buffett bereitgestellt. So konnte jeder Ritter und jede Edelfrau selbst entscheiden, was sie von den Köstlichkeiten probieren wollten. Zur Auswahl gab es unter anderem:
Hähnchenkeule in Ingwer-Metsoße, Bäckchen vom Schwein in Pilzsoße, gefüllter Nacken vom Rind in Rotweinsoße, Spanferkel in Bier-Specksoße und dazu Gemuose (Gemüse), schmalzige Nudeln (Spätzle) und Knebelin (Knödel).
Von den Gängen zuvor gesättigt, ist es manch einem von uns schwer gefallen, sich hier noch einmal den Bauch vollzuschlagen. Aber wir gaben unser Bestes, um den Koch nicht zu enttäuschen.


Wir waren sehr positiv überrascht, dass es keine Kartoffeln zum Essen gab. Denn oft wird bei solch einem Mahl vergessen, dass Kartoffeln erst viel später nach Europa kamen und im Mittelalter noch gänzlich unbekannt auf unserem Kontinent waren.
Auch das Fehlen von Gabeln am Tisch erfreute unsere Gemüter! War doch im Mittelalter eine Gabel ein Teufelswerkzeug, da es an den Dreizack des Teufels erinnerte!

Zwischen den Essensgängen war immer mal wieder Zeit, um eine kleines Fotohooting einzulegen. Die Location, dicke Mauern, Kerzen und Dekoration machte es leicht, tolle Motive zu finden.

 

Die Zeit schritt voran, und nach dem Genuss von Wein, Speisen und Gauklern setzte langsam die erste Müdigkeit ein.


Da half es nur, mit guter Stimmung dagegen anzukämpfen. Zusammen mit unseren Tischnachbarn wurde viel gelacht, Fotos gemacht, und immer wieder entflammte (im wahrsten Sinne des Wortes) ein unerbitterlicher Ruf in unserer Runde: "Achtung Kerze!" Mit Perücke, Schwert und Gebende war es nämlich nicht immer leicht, diesem Teufelswerk der Hölle auszuweichen. Aber mit einem Dutzend Augen und einem wachen Schutzengel ging weder Laudines Umhang noch Sylvies Gebende noch Gèrards Wams in Flammen auf. Das Adrenalin dieser Aktionen lies uns immer wieder erneut die Müdigkeit überwinden und
plötzlich waren alle mit einem Schlag hellwach.

 

Auch einen kleinen (was Ansichtssache ist!) Hausgast konnten wir in unserer Runde begrüßen. Karl, die Kellerspinne wollte kurz mal nach dem Rechten schauen. Doch als sie merkte, dass sie nicht Willkommen war, suchte sie freiwillig das Weite und verzog sich.


Nachdem sich die Gaukler mit einer heißen Verabschiedung auf dem Weg nach Hause gemacht hatten, genossen (oder stopften) wir uns noch den letzten Gang des Abends in die vollen Mägen: Feyn Brottem von Phlumen (Zwetschgenkuchen). Und zu dieser Stunde scherte sich dann nicht mal mehr der Kellermeister darum, dass nun doch Gabeln zum Essen gereicht wurden.


Erst kurz nach 23.00 Uhr verließen wir das Wirtshaus. Waren wir wirklich schon 4 Stunden dort gewesen? Wie schnell doch so eine Zeitreise vergeht.


Sicher kutschierte uns Sylvie nach Hause, während wir den Tag Revue passieren ließen und seinen Gedanken und Träumen nachging.

So wahret uns goldene Träume bescheret und die Erinnerung an vergangene Zeyt lebte auf.
Und wollest Du, oh mutiger Held, noch weitere Eindrücke dieses ehrenwerten Abends auf Leinwand sehen, so schauet und trauet Euch hier zu drücken: Aktivitäten Archiv: Rittermahl
Solltest Du noch weiterhin dem Teufelswerk zugetan seyn, so lasse die irdische Welt hinter Dir und erfreue Dich an diesen bewegten Bildern, welche bald hier erscheinen werden! Kommet hier her zurück, in einigen Stunden oder Tagen, und trauet dann Deinen Augen nicht!

Edit/Nachtrag:

(um eine vergrößerte Ansicht betrachten zu können, bitte das Video anklicken und direkt über Youtube betrachten).

Zum Ende dieser Erzählung bleybet mir nur die Kunde von unserer nächsten gemeinsamen Runde.
Am 11. des nächsten Monats, welcher nach gregorischem Kalender Oktober genannt wird, sattelt Eure metallischen Pferde und beweget Euch über den großen Fluss Richtung Bindersbach. Dort treffen sich die Wandersleute zu einem neuen Abenteuer: Drücket bei Belieben hier und ihr werdet mehr erfahren! Und eins sey allen gewiss, zum Lachen werden wir auch dort bereit seyn - sofern die Luft in Euren Kehlen noch reichen möge.