Samstag, 21. Juni 2014

Die vielleicht größte mittelalterliche Überraschung des Jahres


Wie schön ist es, wenn Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen werden. Dieses Gefühl durften wir – Danny, Laudine, Sylvie und Easy – gestern beim Mittelaltermarkt „1. Germersheimer Germares“ erleben. Da der Markt zum ersten Mal stattfand und wir die Germersheimer Festungsanlage nicht kannten, stellten wir uns auf einen eher kleinen Markt ein. Was sollten wir uns täuschen! Es war ein wundervoller, kurzweiliger Tag mit vielen nette  Leuten und einer tollen Location.

Der Markt wurde zum ersten Mal ausgerichtet von den "Speermächtigen" (www.die-speermaechtigen.de). Und wir können nur sagen: Alles richtig gemacht, top! Für den ersten Markt war es ein grandioser Einstieg.

Das Markttreiben teilte sich in zwei „Ebenen“ auf. Die erste Ebene fand man in und um die Festung, die zweite Ebene auf einer großen Wiese neben der Festung.  


 

Kaum auf dem Markt angekommen, die ersten detailreichen, fantasievollen Lager bestaunt und ein Wikingerschiff geentert, machte uns der Marktvogt auch gleich auf eine kostenfreie Führung mit einer Bauersfrau durch die Fronte Beckers aufmerksam. Sofort waren wir uns einig, uns spontan der Bäuerin anzuschließen. Gemeinsam mit zwei Wikingern, einem Robin Hood (oder auch dem Rattenfänger von Hameln – unsere Interpretationen seiner interessanten Gewandung waren vielfältig) und einigen „moderneren“ Besuchern wagten wir uns in die Tiefen der Fronte. Wobei das Innere der Fronte eigentlich weder tief in der Erde liegt noch unheimlich ist. :-) Während wir die langen Gänge durchschritten und gegen das durch den allgegenwärtigen Bratwurstduft stetig wachsende „Loch im Magen“ ankämpften, erfuhren wir allerlei über die Festungsanlage: Dass 1834 mit ihrem Bau begonnen wurde, der mehrere Jahrzehnte dauern sollte und die Festung nach ihrer Vollendung schließlich veraltet war; oder dass die Gebäude abnehmbare Dächer haben, was uns leider nicht vorgeführt wurde. :-) Auch eine günstige Stelle am Rhein, von der aus man den besten Blick auf die Schwimmübungen der Soldaten habe, wurde uns verraten. Diese haben wir dann aber doch nicht mehr besucht, schließlich gab es auf dem Markt genug tapfere Ritter, sogar hoch zu Ross.

 


Nach der Führung trieb uns dann der Hunger in ganz „undamenhaft“ schnellem Schritt zurück zum Markttreiben. Das Angebot an Speisen war vielfältig. Schattige Plätze unter den Bäumen und großzügige Wiesenflächen luden zum Verweilen ein, sodass wir uns ganz gemütlich stärken konnten. Gesättigt lässt es sich einfach besser flanieren – nun konnten wir in Ruhe dem Schild „Rundgang“ folgen und uns die Waren der Händler ansehen. Die Liste der Dinge, die man vor der Heimfahrt noch unbedingt noch kaufen musste, wurde immer länger. An den Ständen gab es alles, was das Herz begehrt. Natürlich gab es die obligatorischen Stände, die zu fast jedem Markt gehören, wie beispielsweise Flammkuchen, Bratwurst, Seife und Gewandungen. Aber anders als bei manchen Märkten, auf denen nur der Kommerz regiert und ausschließlich das übliche Einerlei angeboten wird, waren die Stände in Germersheim sehr breit gefächert, und man sah viel Neues. So gab es viele Händler, welche nicht so alltäglich sind.


 

Aber schon wieder verhinderte der Marktvogt, dass wir dem Rundweg weiter folgen konnten. Zum einen glaubte er, in Easy einen burgundischen Dachshund zu erkennen – ein blutrünstiges, nicht zu bändigenden Tier. Mhm, sowohl das Burgundische als auch ihre Dachshund-Abstammung scheint in Easy aber seeeehr tief zu schlummern, zumindest kann sie ihre Blutrünstigkeit sehr, sehr gut verbergen, und ein Dachshund sah immer irgendwie anders aus. ;-) Was uns jedoch am Weitergehen hinderte, war die Ankündigung eines Festumzugs. Wir machten sofort die beste Stelle zum Beobachten des Umzugs aus: ein orientalisches Zelt. Bei Tee und Mokka lässt es sich doch gleich besser zuschauen. Die Umzugsteilnehmer ergaben ein buntes Bild – von Hunnen über Orks, Könige und Ritter hoch zu Ross bis hin zu Sklaven in der Ausbildung war alles dabei. Wieder einmal mussten wir feststellen, dass man einfach keine guten Sklaven mehr findet: Das Niederkien vor uns Damen klappte ja noch ganz gut, aber das Füße küssen … :-) Wir ließen Gnade walten und setzen unseren Rundgang fort. Schließlich war der Markt ja in zwei Bereiche geteilt – die Festungs- und die Parkanlage –, und auf letzterer warteten noch viele Stände auf uns. Nur Stände? Nein, auch Schokofrüchte, Stockbrot, Bio-Quittenschorle … Nein, nein, wir dachten nicht nur ans Essen! 

Die Kulisse dieses Marktes war grandios. Auf dem weitläufigen Gelände verteilten sich die Besuchermassen, und man fand immer wieder eine Rückzugsmöglichkeit, von wo aus man dem Treiben einfach zuschauen konnte. Auch Sitzplätze zum Speisen und Ausruhen gab es mehr als genug, und jeder konnte nach seinen individuellen Bedürfnissen entscheiden, ob es lieber ein Plätzchen in der Sonne sein sollte oder doch lieber im Schatten. 


 


Auch vierbeinige Freunde waren sehr willkommen. Für Hunde gab es extra "Tarvernen" (Trinknäpfe), sie durften überall mit hin und sich auch alles anschauen. Die natürliche Umgebung und das große Areal waren wie dafür gemacht, den Markt mit seinem Hundefreund zu genießen.


 


Und wo Hunde so herzlich Willkommen sind, da können nur nette Menschen lagern! Die Offenheit der Händler und Teilnehmenden fiel uns besonders positiv auf. Es entstanden sehr viele nette Kontakte und Gespräche. Es herrschte eine Natürlichkeit und Freundlichkeit, die sich auf das ganze Klima des Marktes übertrug. Wir haben uns in dieser tollen Atmosphäre unheimlich wohl gefühlt. Man fühlte sich Willkommen – und das in jeder Gewandung, egal ob Fantasy, Mittelalter oder Renaissance. Vorherrschend waren jedoch mittelalterliche Gewandungen, sodass der Markt nicht zu einem reinen Fantasyspektakel wurde.



Kinder fanden überall kleine und große Attraktionen. Von Wasserspielen über ein Ziegengehege bis zur Kinder-Ritterschlacht – bei der die armen Ritter gegen die mit Schaumstoffwürsten bewaffneten Kinder keine Chance hatten – wurde sehr viel Kinderfreundliches angeboten. 

Für uns Große gab es auch ein vielfältiges Programm. So erfreuten wir uns an den leisen, wunderschönen Klängen einer Harfe und an den Übungen der Ritter zu Pferde, bei denen Kohlköpfe halbiert, Lanzen geworfen und der „Roland“ zum Drehen gebracht wurden. 




Am Ende des Tages bedauerten wir, dass die Zeit so schnell verfolgen war. Noch ein bisschen auf der Wiese entspannen, beim einen oder anderen Händler vorbeischauen, noch einen Blick die prächtig eingerichteten Zelte der Herrscher der Steppe, Speermächtigen, Könige, Ritter und freien Bauern hineingeworfen … Das hätten wir gerne noch getan, wenn wir nur die Uhr ein wenig zurückdrehen hätten zurückdrehen können. So aber blieb uns nur, uns noch reichlich mit süßen Striezeln einzudecken und sehr zufrieden in den Alltag zurückzukehren. Aber die Gewandung sollte ja schon am nächsten Tag wieder auf uns warten!


Allen, die nicht zu den Besuchern des Germares zählten, können wir nur wärmsten ans Herz legen, den Besuch in zwei Jahren – wenn der Markt hoffentlich wieder stattfindet – nachzuholen. Es lohnt sich! Der Markt wurde zum ersten Mal ausgerichtet von den "Speermächtigen" (www.die-speermaechtigen.de). Ihnen gebührt ein ganz großes Lob für diesen gelungenen Einstand. Wir können wirklich nur sagen: Alles richtig gemacht, top! Für den ersten Markt war es ein grandioser Einstieg. Was der noch sehr junge Verein auf die Beine gestellt hat, ist toll und um Längen besser als so mancher alteingesessener Markt. D er Eintritt von 4 Euro (für Gewandete) hat sich mehr als gelohnt - zumal wir auch erfahren haben, dass ein Teil davon noch an gemeinnützige Zwecke gespendet wird. Wer denkt, für 4 Euro kann man nicht viel erwarten, der wurde in Germersheim eines Besseren belehrt!

Ein rundum gelungener Tag im Mittelalter!

Fotos findet ihr auf Facebook (1. Germersheimer Germares - Mittelaltermarkt am Fronte Beckers, 21.06.2014) oder in unserem Einstig-Forum in unserer Galerie. Diese ist für alle angemeldeten User des Forums sichtbar. 
Einen Videoclip gibt es auch, um Euch einen kleinen "lebendigen" Eindruck des Marktes zu verschaffen:  



 
P.S.: Allen "Kritikern", denen dieser Report zu überschwänglich erscheint, können wir nur sagen: Es war unser persönliches Empfinden. Solch einen Markt auszurichten ist eine große Herausforderung. Umso mehr, wenn man weiß, dass der Verein der "Speermächtigen" erst seit zwei Jahren besteht.

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Bericht, es hat viel Spaß gemacht den Text zu lesen! :)
    Vielen Dank dafür!

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    1. Es freut uns, wenn Dir der Bericht gefallen hat. Wer weiß, evtl. bist Du ja nächstes mal auch mit dabei?! ;-)

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  2. Herzlichen Dank für Euren tollen Bericht von unserem Fest. Wir freuen uns sehr, dass es Euch gefallen hat:) Das 2. Germares wird es definitiv 2016 geben. Die Speermaechtigen e. V. - Claudia Michaelis - Dorfmeister und Orga von Germares

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